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Papageien vor der Haustür
Halsbandsittiche in Heidelberg

Fassung 5.4 (Mai 2004)
Ende
Gastbeitrag: Erich Sczepanski-Penzberg

Freiflughaltung von Mönchsittichen zwischen Gardasee und Verona

An der Landstraße zwischen Verona und Lazise am Gardasee - dort wo die Autobahn A 22 bei Bussolengo die ersten Hügel nach der Poebene erklimmt um dann in das Etschtal [1] einzumünden befindet sich ein interessanter Zoo, der "Parco Natura Viva" der eigentlich aus zwei Teilen besteht: einem Safari-Park und einem adretten, gepflegten kleinen Tierpark direkt daneben und an die Autobahn angrenzend.

Wenn wir unseren Urlaub am Gardasee verbringen, dann gehört ein Besuch im Tierpark unbedingt dazu. Auch im Jahr 2004 sind wir der verregneten heimischen Kar- und Osterwoche wieder mit einem "vorgezogenen Frühlingsbesuch" am Gardasee entkommen. Eines der Anziehungspunkte ist für mich der Tierpark - denn hier gibt es in Freiflughaltung lebende, völlig sich selbst überlassene Mönchssittiche. Bereits knapp hinter dem Eingang des Tierparks fallen - zentral gelegen - mehrere in Gruppen stehende Platanen in's Auge, deren Äste von fünf wirren, kugeligen Haufen aus Zweigen "gekrönt" werden.

Misteln? Nein, und wenn man es noch nicht bemerkt hat - beim Nähergehen fallen immer lautere, zirpend schrillende Vogelrufe auf. Es sind Mönchssittiche, die geschäftig und aufgeregt vor ihren Nesten sitzen ... Nester in Platanen am Eingang
 
Nester in Platanen am Eingang ... und immer wieder - einzeln oder in Gruppen - in die nahen Baumgruppen in der Umgebung des Parks aufbrechen oder mit langen Zweigen zu Ihren kugeligen Nestern fliegen.
 
Fliegende Mönchssittiche

Man braucht eigentlich nur den Kopf zu heben, und wer mit offenen Augen durch den Tierpark läuft, der wird diese fliegenden grünen Edelsteine immer wieder in unmittelbarer Nähe und ohne große Scheu beobachten können - etwa beim Aufsammeln der Zweige vom Boden unter der Platanengruppe, der dank der Sammellust der kleinen Papageien "wie gefegt" wirkt.

Manchmal schwillt das lautstarke Zirpen der Sittiche auch zu einem lauten Gezeter an - etwa, wenn ein Storch aus dem benachbarten Safari-Park zu nieder an den Nistbäumen vorbeizieht.

 Storch fliegt vorbei

"Genickstarre" braucht man bei der Beobachtung der Nistplätze aber nicht zu befürchten - und auch ein leistungsstarkes Teleobjektiv ist nicht erforderlich, um die Vögel zu fotografieren. Denn in unmittelbarer Nachbarschaft - durch ein Gehege mit kleinen Panda-Bären von den Platanen getrennt - gibt es niedrige Bäume, die über und über mit Efeu bewachsen sind. Auch hier fallen Sittiche auf, die zwischen den Efeuranken verschwinden ...

Nester im Efeu
 

... und dann wieder an anderer Stelle zu einem Rundflug starten. Tatsächlich verstecken sich in dem Efeugewucher zahlreiche weitere Sittichnester - gut getarnt, und offenbar für die Rankpflanze eine ideale Kletterhilfe.

 Nester im Efeu
 

Einige Nesteingänge - runde, sich nach unten öffnende Höhlen im Geflecht der Zweige - befinden sich direkt über dem angrenzenden Parkweg.

 

Auf dem Rückweg gelang uns ein weiterer interessanter Anblick: ein Päärchen von Halsbandsittichen, das in die Bäumen über einem kleinen Andenkenstand mit Postkarten u. a. einflog und dem einige Mönchssittiche - ohne Aggresivität und übermäßiges Gezeter - entgegen flogen. Foto leider nix geworen Bei dieser Gelegenheit wurde dann ein letztes, im Efeu errichtetes Kugelnest entdeckt - direkt rechts vom Kassenhäuschen, etwa auf halber Baumhöhe, schon fast "außerhalb" des Parks gelegen.

Freiflug oder Freileben?

Einige trockene Erläuterungen: Die Vögel befinden sich in absoluter Freiflughaltung und sind "sich selbst überlassen". Vor 4 Jahren befanden sich rund ein Dutzend Nestkolonien in den zentral gelegenen Platanenbäumen. Offenbar haben auch die Mönchssittiche eine starke Affinität zu den Platanen, die wegen ihrer glatten Rinde von Raubtieren kaum "beklettert" werden können. Die erste Reaktion beim diesjährigen Besuch - die Nester sind reduziert, weil nur mehr 5 Kugelnester in den Platanen gezählt werden konnten. Tatsächlich scheint ein erheblicher Teil der Kolonien in die versteckter gelegenen Kugelnester im Gestrüpp der Efeuranken abgewandert zu sein. Die Zahl dieser Nester konnte nicht gezählt werden, weil das Rankgestrüpp die Nester zu sehr verbirgt, und noch Stunden nach dem Beginn des Besuches immer wieder ein neues Nest "entdeckt" wurde.

Faunenverfälschung?

Bisher scheint sich die Population nur in der unmittelbaren Umgebung des Parks zu halten. Eine Ausbreitung konnte nicht festgestellt werden, Sichtungsberichte aus benachbarten Orten (Verona, Gardasee) sind jedenfalls nicht bekannt. Wenn man unterstellt, daß die Sittiche dem Nest stark verbunden sind, dann scheint auch nicht mit einer starken Ausbreitung zu rechnen zu sein. Zumindest solange die Vögel nicht vertrieben werden oder aus Futtermangel zur Abwanderung gezwungen werden, dürfte die Kolonie noch über Jahre hin weiter bestehen.
Die Sittiche - bei der Errichtung der Nester auf starken Baumwuchs angewiesen - würden im Fall einer "Expansion" wohl den mit Wald bewachsenen Hängen entlang des Etschtales und des Gardasees nach Norden folgen. Eine weitere Expansionsmöglichkeit bieten allenfalls die "Galleriebäume" (von einem "Galleriewald" kann man wohl nicht sprechen) entlang der Etsch, des Po und dessen Nebenflüssen.


Anmerkungen

Die Fotos wurden mit einer einfachen, primitiven Einmal-Kamera gemacht, die ich für Dokumentationen (Unfallgeschehen u.a.) immer im Auto mit mir führe. Schon mit einer kleinen, handlichen und einfachen Zoom-Kamera lassen sich mit Sicherheit wesentlich bessere Ergebnisse erzielen. Diese Kamera hatte ich leider während unseres diesjährigen Osterurlaubes zu Hause vergessen ...

[1] Karte unter:
http//www.gardasee-info.de
http://www.holiday-home.org

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© Text und Bilder: Erich Sczepanski-Penzberg
Layout: Detlev Franz
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