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Papageien vor der Haustür
Halsbandsittiche in Wiesbaden

Fassung 5.3 (November 2003)
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Ulme Ulmus sp. (Familie: Ulmaceae)

Artbeschreibung und Wissenswertes

In unseren heimischen Parks, Alleen, Gärten und auch in der freien Natur kommen vor allem drei Arten vor: Flatterulme Ulmus laevis , Feldulme Ulmus carpinifolia (= U. minor) , Bergulme Ulmus glabra .

Ulmen blühen und fruchten ab Februar/März vor der Entfaltung der Blätter, ihre Früchte können auf den ersten Blick für Blätter gehalten werden und übernehmen auch teilweise deren Funktion, zumindest bei Flatterulme sind sie photosynthetisch aktiv, produzieren also Zucker.

Die ca. 1- 1,5 cm großen und fast papierdünnen Flügelnussfrüchte (Samara) sind ausgesprochen leicht und werden mit dem Wind verbreitet, im Zentrum der Frucht befindet sich ein kleiner Samen (Nuss).

Giftwirkung, Chemie, Nährwert

Die große Anzahl der Früchte am Baum und die Verbreitung durch den Wind lässt schon ein geringes Gewicht auch des einzelnen Samen vermuten. Rund 40000 Samen der Bergulme Ulmus glabra sind nötig um ein Kilo zu erreichen, ein Samen wiegt rund 0,025 g. Die gereinigten Samen der nordamerikanischen Ulmus crassifolia sind noch leichter. Erst 147700 Stück ergeben ein Kilo.

Die einzelnen Pflanzenorgane besitzen verschiedenen Nährwert und Inhaltsstoffe, über die ich nur lückenhafte Informationen gefunden habe. Sowohl in Roth et al. als auch in tierärztlichen Giftpflanzendatenbank der Universität Zürich ist keine Giftwirkung vermerkt.

Rinde: Die Ulmenrinde wurde im Mittelalter zum Gerben und Gelbfärben verwendet. Gerbstoffe sind im Pflanzenreich - auch in den Nahrungspflanzen von Papageien - weit verbreitet, ihre Wirkung beruht darauf, dass sie Eiweißstoffe ausfällen können. Die medizinische Wirkung von Gerbstoffen liegt in ihrer zusammenziehenden (adstringierenden) Eigenschaft, d.h. sie fällen die Eiweiße der obersten Gewebeschicht, besonders auch von Schleimhäuten unter Bildung einer zusammenhängenden festen Membran aus. Dies bewirkt eine Reizminderung und Entzündungshemmung (Natho et al. S. 144).
Ulmenrinde ("Ulmus fulva") findet sich auf vielen z.T. etwas zweifelhaften Internetseiten, u.a. als Heilmittel gegen Magenverstimmung, Darmentzündung oder Durchfall. Die dazu dienende Droge wird im Frühjahr aus der Rinde junger Zweige gewonnen. Gudrun Maybaum setzt sie in Kombination mit anderen pflanzlichen Wirkstoffen ihren Angaben nach erfolgreich gegen Kropfentzündung ein.

Äste: In den Parenchymzellen des Holzes kann im Herbst Stärke als Speicherstoff eingelagert werden, der im Frühjahr vor dem Blattaustrieb genutzt wird. Bis zu zwei Volumenprozent Stärke sind möglich. Ulmen zählen zu den Bäumen mit einem besonders hohen Stärkegehalt (Frommhold). Auch die Knospen dürften vor allem aktivierte und nicht aktivierte Speicherstoffe enthalten.

Blüten: Der frühe Zeitpunkt der Blüte macht alle drei Ulmenarten (U. carpinifolia, U. glabra, U. laevis) zu wichtigen Blütenpflanzen für Bienen. Zum Nektargehalt habe ich keine Angaben gefunden, aber die Pollenmenge wird als gut beurteilt. (Huesing/ Nitschmann)

Früchte: Das geringe Samengewicht dürfte auch zu einer nur kleinen Nährstoffmenge in der Nuss selbst führen. Die Früchte aller drei Arten schmecken für Menschen süß, Bergulmenfrüchte, die ich gekostet habe, besitzen einen frischen Biss wie Blattsalat. Der Süßgeschmack liegt im Bereich der gleichzeitig verfügbaren Ahornblüten.

Blätter: Blätter wurden im Mittelalter als Viehfutter verwendet.

 
Bergulme

Feldulme

Flatterulme

 

Gefressene Pflanzenteile

Freilebenden Papageien in der Bundesrepublik dienen Rinde/Ästchen, Knospen und Früchte als Nahrung. Bielfeld empfiehlt Rinde junger Triebe, Blüten, Knospen, Samen als mineral- und vitaminreiches Frühjahrsfutter auch für Sittiche und Papageien (Bielfeld S.87). Betrachtet man die Aussagen zu Ulme in verschiedenen deutschsprachigen Vogel- und Papageienforen im Internet [1] als repräsentativ, so findet Ulme als Nahrung von Papageien in Gefangenschaft kaum Verwendung, über Sitzstangen hinaus werden allenfalls Äste zum Nagen angeboten.

Reife und halbreife Ulmensamen werden von folgenden einheimischen Vögeln gefressen: Buchfink, Girlitz, Grünling, Erlenzeisig, Bluthänfling, Fichtenkreuzschnabel, Kiefernkreuzschnabel, Karmingimpel, Gimpel, Kernbeißer, Ringeltaube, Weißkehlammer, Haussperling und Feldsperling. Darüber hinaus werden Blüten von Ringeltaube und Stieglitz sowie Blüten und Blütenknospen von Erlenzeisig und Gimpel gefressen. Buntspechte trinken noch den Baumsaft, den sie durch Ringeln oder die Anlage von Löchern erschließen.

Die Nahrung von wilden Truthähnen im Süden der USA wird zu rund 10% aus Samen und Knospen von Ulmus crassifolia gebildet (Stransky/Bierschenk).

Ob Papageien auch in ihrer Heimat Teile von Ulmen fressen, dazu habe ich keine Quellen gefunden.

Besonders Verhalten

Sowohl Halsbandsittiche als auch Große Alexandersittiche nehmen gerne die Früchte von Ulme besonders von Feld- und Bergulme zu sich. Sie werden parallel zu den Blüten verschiedener Obstbäume, oder Ahornarten sowie den Blattrieben der Rosskastanien genutzt, diesen z.T. auch vorgezogen.

So landete Anfang 2002 ein Großer Alexandersittich gezielt auf einer kleinen Ulme die mitten in einer blühenden Ahorngruppe und fraß nur deren Früchte - normalerweise ist die Ahorngruppe ein gern genutzter Futterplatz, auf dem sich alljährlich die Papageien des Parks zum Fressen der Blüte einfinden.

Die Früchte werden vor und nach der Bildung eines erkennbaren Samen und dem Blattaustrieb gefressen, wobei sie vorher ganz verzehrt werden und nachher eventuell nur der Samen. Die Fraßreste unterscheiden sich folglich: werden die ganzen Früchte verzehrt, so finden sich allenfalls Ästchen mit nicht gefressenen Früchten unter den Ulmen, werden hingegen die Samen gefressen, so finden sich zusätzlich große Mengen an Samara ohne Nüsschen. Das Fressen geschieht oft in Gruppen von 5 oder 7 Tieren, z.T. kann man auch noch nicht brütende Pärchen beim gemeinsamen Besuch dieser Nahrungsquelle beobachten. Die dabei entstehenden bodendeckenden Fraßreste lösten bei zwei Besuchern des Biebricher Schlossparks feindselige Bemerkungen aus, die Papageien würden die ganzen Kastanienblüten wegfressen, man solle sie doch abschießen.

Dieter Zingel beobachtete Halsbandsittiche beim Fressen von Rinde und frischen Zweigen (Zingel S.16). Für Köln ist Ulme als Nahrungspflanze beider Psittaculaarten in der Literatur nicht belegt (Ernst S. 62f, 65f) Die Früchte werden auch von Stuttgarter Doppelgelbkopfamazonen gefressen (Hoppe).

Haltungserfahrungen

keine

 
Blüte-, Frucht,- und Blattzeiten
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Gefressene Pflanzenteile
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