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Papageien vor der Haustür
Halsbandsittiche in Wiesbaden

Fassung 5.3 (November 2003)
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Lebensbaum Thuja sp. (Familie: Cupressaceae)

Artbeschreibung und Wissenswertes

Die zu den Zypressengewächsen (Cupressaceae) zählende Gattung Thuja ist mit 2 Arten in Nordamerika und mit 4 bzw. 5 Arten in Ostasien vertreten. Bei uns werden in Gärten und Parks, auch auf Friedhöfen, sogar in Balkonkästen zahlreiche Arten bzw. Zuchtformen angepflanzt, beispielsweise bietet eine Gärtnerei im Internet über 25 Sorten an. Die Beliebtheit von Thuja ist vor allem in den immegrünen Zweigen begründet, was auch an der aus dem Volksglauben stammende Bezeichnung „Lebensbaum“ deutlich wird. Zu den wichtigsten Arten gehören beiden die Nordamerikaner Abendländischer Lebensbaum (Thuja occidentalis) und Riesenlebensbaum (Thuja plicata) sowie der ostasiatische Morgenländische Lebensbaum (Thuja orientalis). Thuja ist auf den ersten Blick nicht so leicht von den sehr ähnlichen Scheinzypressen (Chamaecyparis) zu unterscheiden. Neben der Wuchsform ähneln sich beide Gattungen auch darin, dass beide Flachzweige besitzen und schuppenförmige Blätter tragen. An den Zweigenden von Thuja finden sich fast immer deutlich fühlbare verdickte Knospen, während diese bei Chamaecyparis klein und kaum tastbar sind (Kremer, S. 80). Auch die Zapfen sind deutlich unterschiedlich. Chamaecyparis zeigt kleine, kugelige typische Zypressenzapfen. Thujazapfen sind dagegen länglich mit weit spreizenden Klappen, die an einem Ende festgewachsen sind. In den Zapfen finden sich kleine braune Samen, auf die es die Vögel abgesehen haben. Morgenländischer Lebensbaum wird in den meisten Büchern unter seinem von Linne 1753 verliehenen Namen Thuja orientalis geführt, gehört aber in eine eigene monotypische Gattung Platycladus. Ein wichtiger Unterschied zu den anderen Thuja Arten besteht darin, dass die Samen nicht geflügelt sind. (Jagel)

Giftwirkung, Chemie, Nährwert

Über Inhaltsstoffe finden sich, lässt man die vielen kaum wissenschaftlichen Methoden standhaltenden Angaben in Hexen- und Kräuterbüchlein weg, vor allem Informationen, die pharmakologischen bzw. toxikologischen Ursprungs sind. Nährwertangaben fehlen dagegen. Roth et al. (S. 4, S. 699-701) klassifizieren Thuja occidentalis und Thuja orientalis als der höchsten Giftstufe zugehörig: sehr stark giftig. Bei Thuja koraiensis und Thuja standishii verweisen im Punkt Toxikologie auf Thuja occidentalis. Nach Auskunft der Kölner Giftzentrale gelten die Angaben auch für Thuja plicata. Giftig sind Zweigspitzen und Zapfen, aber auch das Holz. Giftiger Bestandteil ist das im Ätherischen Öl enthaltene zu den Monoterpenen gehörende Thujon (Roth et al., S. 700, S.941f) Weitere Inhaltsstoffe (Thuja occidentalis) die ebenfalls zu den bizyklischen Monoterpenen: Fenchon, Sabinen u.a. sowie das monozyklische Monoterpen Terpineol-4, Bitterstoffe, Gerbstoffe (http://www.vetpharm.unizh.ch/giftdb/pflanzen/0040_vet.htm). In den von mir eingesehenen Quellen ist die Giftwirkung aber ausschließlich für Säugetiere (Mensch, Maus, besonders Pferd, aber auch Rind belegt (http://www.vetpharm.unizh.ch/giftdb/pflanzen/0040_vet.htm, Roth et al. S. 700). Thujon ist nicht nur in Thuja enthalten, sondern auch der neben Alkohol wirksame Bestandteil des Getränks Absinth, wo er aus Wermuth (Artemisia absinthum) stammt. Der Genuss von stark thujonhaltigem Absinth im 19. Jahrhundert löste bei exessiven Trinkern z.T. Epilepsien, Schizophrenie und Suizide aus. Thujon ist unlöslich in Wasser aber löslich in Alkohol. Als weitere Wirkungen von Thuja werden Gastroenteritis, Krämpfe, Leber- und Nierenschädigung mit Polyurie und Oligurie genannt. (http://www.vetpharm.unizh.ch/giftdb/pflanzen/0040_vet.htm) Ab 1828 wurde Lebensbaum als Wurmmittel und für Abtreibung verwendet. Aufgrund unsachgemäßer Dosierung waren Vergiftungen nicht selten. (http://www.botanikus.de/Gift/lebens.html) Die Folgen bei der Überdosierungen als abtreibendes Mittel: tiefes Koma, erhöhter Blutdruck, motorische Reizerscheinungen, Erbrechen, Durchfall, Erhöhung der Temperatur und der Pulszahl, Bronchopneumie, Lungenödem, tonisch-klonische Krämpfe. Dazu Stoffwechselstörungen. Belegt sind bei Menschen auch Todesfälle. (Roth et al. S. 700) sowie neurotoxische Erscheinungen bei Rindern. (http://www.vetpharm.unizh.ch/giftdb/pflanzen/0040_vet.htm) Bei Vögeln scheint es in Bezug auf Giftwirkung anders auszusehen. Zwei Autoren befürworten sie als Nahrung. Bielfeld (S. 104, 123) empfiehlt die Verfütterung von Zapfen bei einheimischen und exotischen Finkenvögeln, sowie bei Papageien als Leckerbissen, die im Oktober gesammelt werden können. Schnabel (S. 7) bezeichnet die Zapfen von Thuja plicata als Lieblingsfutter vieler Vögel. Thuja occidentalis ist seiner Meinung nach für grobschnäblige Carduelide-Finken, Farbfinken, Sperlinge und Papageien bzw. Sittiche geeignet (S. 8). Anders dagegen Künne, der Lebensbaum neben einer Reihe weiteren Pflanzen unter die bedenklichen Arten rechnet (S. 77). Künne steht mit seiner Haltung nicht allein, diese Auffassung findet sich beispielsweise auch auf einer Reihe von Webseiten zum Thema Gifte für Stubenvögel (Anmerkung 1). Unklar scheint dabei zu sein, aufgrund welcher Daten die Aussage dort getroffen werden. Einheimische Vögel: Blutspecht, Grünspecht, Sperling, Buchfink, Hänflinge, Erlenzeisig, Grünfink, Seidenschwanz und Star fressen offensichtlich gerne die Lebensbaumzapfen (Handbuch Bd. 9 S.1054, Bd. 10.2, S. 52; Heer S. 176; Schnabl S. 8; und eigene Beobachtungen). Soweit die Wirkungen von gefressener Thuja. Bei der Verarbeitung von Thujaholz kann es zu Ekzemen und Hautreizungen kommen. (Roth et al. S. 700) Zwei der hier genannnten Arten (Thuja occidentalis und plicata) besitzen MAK-Werte, d.h. bei der Verarbeitung von Thuja sind Maßnahmen des Arbeitsschutzes zu beachten, Thuja plicata ist auch allergen. (http://www.lfas.bayern.de/am/archiv/mak1997c.htm) Ebenso ist der Kontakt mit dem besonders in den Zweigspitzen konzentriertem Thujon nicht ganz ungefährlich. Interessant ist die Frage ob Thujazweige – mit denen die Papageien beim Fressen ja auch äußerlich intensiv in Kontakt geraten - eine therapeutische Wirkung haben könnten. Die problemlose Nutzung von Thuja als Nistmaterial oder Nistbaum ist vielfach belegt. Besonders der Hinweis auf die Verwendung als Wurmmittel und die von Schnabl (S. 7) berichtete insektizide Wirkung von Zweigen in Volieren könnten sich auch bei Feilandvögeln positiv auswirken, indem Ektoparasiten wie Federlinge, Flöhe, Milben oder Endoparasiten wie Würmer reduziert werden könnten. Die zwei in Behandlung von Tierärzten gelandeten freilebenden Halsbandsittiche, von denen ich erfahren habe, zeigten jedenfalls keinen Befall mit solchen Parasiten, eine systematische Untersuchung der Parasiten in den europäischen Freilandpopulationen fehlt aber noch gänzlich.
Naturheilkundliches
Auf mehreren Webseiten fanden sich Hinweise darauf, das Thuja Extrakte zur Unterstützung des Immunsystems verwendet würden. Solchen Angaben gegenüber bin ich etwas misstrauisch, möchte sie hier aber trotzdem nicht unterschlagen. (Anmerkung 2) Aufgrund der antiviralen Wirkung wird Thuja auch gegen Warzen eingesetzt. Auch tiermedizinisch finden Thujaextrakte Verwendung, dürfen aber seit dem Jahr 2000 bei Tieren die zur Lebensmittelherstellung dienen nur noch in homöopathischen Dosis verwendet werden. (http://www.uni-leipzig.de/~vetppt/am2000/tab1.htm http://www.vetline.de/btk/aktuelles/s04-18.pdf)

 Thuja plicata
Thuja plicata
Thuja orientalis
Thuja orientalis

 

Gefressene Pflanzenteile

Halsbandsittiche und Große Alexandersittche fressen die Zapfen.

Besonders Verhalten

Am 3.10.2001 saßen zwei ganze Gruppen (je 8 und mehr Tiere) Halsbandsittichen und Große Alexandersittiche auf einem morgenländischen Lebensbaum in einer Seitenstraße des Biebricher Schlossparks. Die Großen Alexandersittiche bevorzugten die Kronenregion, die Halsbandsittiche waren weiter unten bis hinunter auf eine Höhe von ca. 2,5 m anzutreffen. Die frischen Zapfen, die einen intensiven aromatischen Nadelbaumgeruch verströmten – dieser entstammt dem ätherischen Öl- waren heiß begehrt. Die Biebricher Papageien sind so tief nur anzutreffen, wenn eine besondere Nahrungsquelle die Gefahr und den Stress eines solchen Aufenthaltes aufwiegt. Die Beobachtung wurde durch eine Anwohnerin beendet, die die unter dem Busch stehenden Mülleimer benutzte. Beim Zuschlagen des Deckels flogen alle Tiere auf. Eine weitere Beobachtung ist mir bisher nicht gelungen, obwohl nicht alle Zapfen gefressen wurden. Am Beobachtungstag waren die Vögel wie versessen hinter Thujasamen her, die sie aus den geschlossenen bläulichen Zapfen herauslösten. Krummschnäbel, die keinen Platz gefunden haben, suchten sich Büsche und Hecken der gleichen Art in der näheren Umgebung, sie suchten regelrecht nach geeigneten Büschen. In der Literatur findet sich eine Beobachtung von Dieter Zingel, der die Papageien in Biebrich seit 1975 beobachtet. Nach seinen Angaben fressen Halsbandsittiche die Samen des Riesenlebensbaums.

Haltererfahrungen

Eine Nachfrage im Forum der APN erbracht nur eine Rückmeldung von Vorbehalten aus der Papageienliteratur (H.-J. Künne, Die Ernährung der Papageien u. Sittiche, Seite 77), wo Thuja unter die bedenklichen Arten gerechnet wird. Aufgrund der weithin bekannten Giftwirkung auf Säugetiere scheint hier wie auch bei Taxus niemand experimentiert zu haben.

 
Blüte-, Frucht,- und Blattzeiten
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Gefressene Pflanzenteile
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Thuja

 
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