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Papageien vor der Haustür
Halsbandsittiche in Wiesbaden

Fassung 5.3 (November 2003)
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Vogelbeere oder Eberesche Sorbus aucuparia (Familie: Rosaceae)

Artbeschreibung und Wissenswertes

Die Vogelbeere Sorbus aucuparia gehört zur Familie der Rosaceae, hier zur Unterfamilie der Maloideae, den Apfelartigen. Als Kennzeichen dieser Unterfamilie besitzen Vogelbeeren beerenartigen Apfelfrüchte. Die Verbreitung der Gattung reicht von Nordamerika über Europa bis nach China und Japan.
Der wissenschaftliche Name trägt der Verwendung des Baumes in früheren Zeiten Rechnung, "aucuparia" leitet sich von "Vogelstellerei" ab. Die Beliebtheit der Beeren bei vielen Vogelarten schlug sich also in ihrer Verwendung für den menschlichen Gebrauch nieder. Unsere Vogelbeere ist ein mittelgroßer, selten über 15m hoher Baum mit lockerer Krone, der Vielfach als Allee- und Straßenbaum kultiviert wird, sich aber auch in vielen Gärten und Parks findet. Er besitzt gefiederte bis 20 cm lange Blätter. Die Blüten sind weiß.

Der Ertrag eines Baumes kann 25 bis 40 kg Früchte (max. 100 kg) betragen. Früchte eines Baumes, die ich ausgewogen habe waren im Schnitt 0,5g schwer. Ein Baum würde also zwischen 50.000 und 80.000 (max. 200.000) einzelne Früchte tragen. Die Früchte besitzen einen Durchmesser von 6-8 mm.

1810 wurde die Edeleberesche oder Mährische Eberesche entdeckt. Sie wird unter den Namen 'Konzentra' und 'Rosina' gehandelt. Früchte dieser Formen sind frei von Bitterstoffen und besitzen einen höheren Gehalt an Vitamin C und sekundären Pflanzenstoffen (siehe Tabelle).

Weitere Sorbus Arten auf den Seiten von Papageien vor der Haustür:

Einen schönen Überblick über die Gattung findet sich hier.

Giftwirkung, Chemie, Nährwert

Vogelbeere ist als "wenig giftig" klassifiziert. Da die Früchte von Eberesche auch als gelegentlich menschliches Nahrungsmittel genutzt werden, ist es recht einfach Angaben zum Nährstoffgehalt zu finden (siehe Tabelle rechts).

Auch zu den anderen Pflanzenteilen lassen sich Angaben finden. Die Rinde enthält 7,2% Gerbstoffe, außerdem Lupeol, Betulin, Wachsalkohole sowie Prunasin, ein cyanogenes Glykosid, der Stamm Ursolsäure, Paraffine und Sitosterin. Das Kernholz verschiedene Biphenyle (Aucuparin und Methoxyaucuparin), das Splintholz unter anderem das Lignanxyloxid Lyonisid. Das Blatt enthält ebenfalls Prunasin, daneben Flavonole, Quercetin und Kampferol, Ursolsäure, Paraffine, Sitosterin und Vitamin C. Die Frucht weist neben den in der Tabelle gelisteten Nährstoffen Zuckeralkohole, Flavonole, freies Quercetin auf. In den Samen Amygdalin ein ein cyanogene Glykosid auf. Aus 100 g Samen lassen sich 21 g fettes, jedoch bei Zimmertemperatur trocknendes Öl auspressen. In frischen Früchten sind 0,02 bis 0,2%, im Mittel 0,04% Parasorbinsäure enthalten, die eine örtliche Reizwirkung, auch auf den Verdauungstrakt besitzt und für die geringe toxische Wirkung verantwortlich gemacht wird. Die Früchte der bitterstoffarmen Varietät enthalten maximal ein Viertel der Mengen (0,01%) dieses Stoffes. (Roth/ Daunderer /Kormann 1994, S.673, S.880) Trocknen oder Kochen zerstört die bittere Parasorbinsäure, sie wandelt sich in ungiftige Sorbinsäure um die bei Nahrungsmitteln als Konservierungsmittel zugelassen ist. Der Gehalt an Parasorbinsäure nimmt während der Fruchtreife zu. Unreife grüne Früchte besitzen in einem Fall 130mg Parasorbinsäure, reife Früchte dagegen 870 mg pro 100g Trockengewicht, was einem Frischgewicht von 30mg bzw. 200mg pro 100g entspricht. (Frohne/ Pfänder 1997, S. 334f.)

Nahrungspfanze für Tiere

Die Blätter, Knospen und Früchte sowie die Rinde werden von einer Vielzahl von Tieren, angefangen bei Käfern über Kleinschmetterlinge bis hin zu Säugetiren und Vögeln, gefressen (Quelle). Folgende Vögel fressen die Beeren: Buchfink Fringilla coelebs , Bergfink Fringilla montifringilla , Grünling Carduelis chloris , Stieglitz Carduelis carduelis , Erlenzeisig Carduelis spinus , Berghänfling Carduelis flavirostris , Birkenzeisig Carduelis flammea , Bindenkreuzschnabel Loxia leucoptera , Hakengimpel Pinicola enucleator , Gimpel Pyrrhula pyrrhula , Kernbeißer Coccothraustes coccothraustes , Ringdrossel Turdus torquatus , Amsel Turdus merula , Naumanndrossel Turdus naumanni , Wacholderdrossel Turdus pilaris , Rotdrossel Turdus iliacus , Misteldrossel Turdus viscivorus , Grünspecht Picus viridis , Schwarzspecht Dryocopus martius , Kleinspecht Picoides minor , Haselhuhn Bonasa bonasia , Zwergtrappe Tetrax tetrax (Freigehege) , Tannenhäher Nucifraga caryocatactes , Halsbandschnäpper Ficedula albicollis , Sumpfmeise Parus palustris , Weidenmeise Parus montanus , Haubenmeise Parus cristatus , Steinrötel Monticola saxatilis und Seidenschwanz Bombycilla garrulus. (Handbuch der Vögel Mitteleuropas. Digitale Ausgabe)

Vogelbeere wird von Bienen als Nahrungspflanze genutzt, sie liefert Pollen, Nektar und Honigtau. (Huesing /Nitschmann 2002, S. 321)

 Eberesche oder Vogelbeere
Eberesche Früchte und Blätter
 
Eberesche Sorbus aucuparia
Angaben für 100g frische Früchte
 Sorbus aucupariavar. edulis
Wasser (in g)7373
Eiweiß (in g)1,51,2
Kohlenhydrate (in g)18 (20)20
davon Zucker (in g)910 -12
Ballaststoffe, Faserstoffe (in g)2,4 (3,2)3,2g
Energie (in kJ)356 (410)406
Säure (in g)2,32-2,5
Kalium (in mg)-234 (230)
Calcium (in mg)-42 (40)
Phosphor (in mg)-33
Magnesium (in mg)-17
Eisen (in mg)-26 (2?)
Fluor (in mg)-0,03
Vitamin A (in µg)-408
Vitamin C (in mg)98 (50-100)80-150
Vitamin C (Blatt, in mg)200200
Ich gehe davon aus, das Literaturwerte wenn nicht anders angegeben für die Edeleberesche (var. edulis) gelten.

 

Gefressene Pflanzenteile

Gefressen werden nur die Früchte.

Besonders Verhalten

Keine eigenen Beobachtungen.

Haltererfahrungen

Getrocknete Beeren werden unter dem Drogennamen Sorbi aucupariae fructus gehandelt, finden sich aber auch in den Angebotslisten von Spezialversendern für Papageienfuttermittel. Sie lassen sich aufgrund der natürlichen Konservierung leicht selbst trocknen.

Vogelbeere wird getrocknet oder frisch von vielen Papageienhaltern verfüttert. Meldungen über toxische Probleme bei der Fütterung sind in den verschiedenen Internetforen, die sich mit Papageienhaltung beschäftigen, nicht zu finden. Manche Halter geben auch Zweige und Blätter, auch hier gab es keine negativen Rückmeldungen. Welchen Teil der Früchte (Fruchtfleisch oder/und Samen) die Papageien fressen und ob sie eventuell die Samen knacken oder ob diese den Papageiendarm unbeschadet passieren, ist bisher in den Foren nicht zu ermitteln.

 
Blüte-, Frucht,- und Blattzeiten
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Gefressene Pflanzenteile
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