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Papageien vor der Haustür
Halsbandsittiche in Wiesbaden

Fassung 5.3 (Dezember 2003)
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Walnuss Juglans regia L. (Familie: Juglandaceae)

Artbeschreibung und Wissenswertes

Juglans ist eine von acht Gattungen die zur Ordnung Nussbaumartige gehören. Die Gattung ist mit 15 Arten von Südeuropa bis Ostasien als auch in Nord- und Mittelamerika sowie den Anden verbreitet. Unser Nussbaum Juglans regia wurde bereits in der Jungsteinzeit kultiviert und in der Antike nach Europa eingeführt. Das ursprüngliche Areal ist vermutlich Westasien bis China.

Der Name Walnuss leitet sich von Welschnuss (welsch = französisch) ab und spiegelt damit vermutlich die Herkunft des Baumes wieder.

Nussbaum wird vor allem wegen seiner Früchte und in der Möbeltischlerei verwendeten Holz angepflanzt, findet sich aber auch ohne Nutzung in Parkanlagen oder verwilderten Beständen. Er wird 10-20 m hoch. Auffällig sind seine aus 7-9 elliptischen, ganzrandigen Blättchen zusammengesetzten unpaarig gefiederten Blätter und die für die Familie typischen hängenden männlichen Kätzchen sowie die 2-3 an den Zweigenden sitzenden weiblichen Blüten.

Die einhäusigen Blüten erscheinen gleichzeitig mit dem Blattaustrieb im März bis April.

Botanisch sind die Früchte der Walnuss keine Nüsse sondern Steinfrüchte wie Kirsche oder Pflaume mit einem dreischichtigen Aufbau: Exocarp, Mesocarp und Endocarp. Das Endocarp umschließt den Embryo, den Samen, aus dem sich der zukünftige Baum entwickelt. Bei Kirsche oder Pflaume wird von Menschen das als Fruchtfleisch ausgebildete Mesocarp gegessen, der vom stark verholzten Endocarp umgebene Embryo (der "Kern") dagegen nicht. Bei Walnüssen wird von uns im holzigen Endocarp (es wird mit dem Nussknacker geöffnet) befindliche Embryo genutzt, das fleischig-faserige Mesokarp wird bei im Handel erhältlichen Walnüssen entfernt. Die Verbreitung der Walnuss erfolgt ursprünglich über Tiere, die z.B. heruntergefallene Nüsse verschleppen. Großkronige Bäume liefern bis zu 150 kg Nüsse pro Jahr. Kalifornische Walnussbäume sollen rund 4000 Nüsse pro Jahr erbringen, das entspräche einem Durchschnittsgewicht von 37,5 g pro Nuss. Beim Trocknen verlieren die Nüsse rund 50% ihres Gewichtes, die Embryonen wiegen rund ein Drittel der ungeknackten Nüsse. Nach Deutschland werden aus dem Hauptanbaugebiet der Nüsse, den USA fast nur Jumbo-Nüsse der Sorte Hartley geliefert. Früchte aus heimischem Anbau oder dem eigenen Garten sind deutlich kleiner und leichter. Importnüsse aus den USA sind oft chemisch geduscht, gebleicht und geschwefelt.

Schwarznuss Juglans nigra
Schwarznuss ist ein aus Nordamerika stammender enger Verwandter des Nussbaum, er erreicht im Gegensatz zu diesem 45 m Höhe und ist ebenfalls in Parkanlagen zu finden. In den USA wird aufgrund ihrer Pilzanfälligkeiten Juglans regia auf Juglans nigra gepfropft. Die bis zu 5 cm großen Früchte sind praktisch gleich gestaltet, nur sind die Proportionen etwas verschoben: Mesocarp und Endocarp sind stärker ausgelegt, die ‚Nuss' auch mit viel Kraft kaum zu knacken. Ihre Inhaltsstoffe und ihr Geschmack entsprechen denen von Juglans regia . Schwarznuss ist empfindlich gegen Früh- und Spätfrost.

Giftwirkung, Chemie, Nährwert

Blüte:
Walnuss ist ohne nähere Angaben auf der Liste der Bienennährpflanzen von Thomas Lamp aufgeführt. (Quelle)

Blätter:
In der Phytomedizin werden die von der Spindel befreiten, getrockneten Blättchen als Juglandis folium eingesetzt. Diese Droge besitzt folgende Inhaltsstoffe: 9-10 % Gerbstoffe (Ellagitannine), bis 30 % Naphtochinone, insbesondere Monoglucoside von Juglon (5-Hydroxy-1,4-naphtochinon) und Hydrojuglon, bis 3,4 % Flavonoide (hauptsächlich Flavonolglykoside), Phenolcarbonsäuren, bis 1 % Ascorbinsäure und wenig ätherisches Öl (0,01-0,03 %). Walnussblätter wirken aufgrund ihres Gehalts an Gerbstoffen adstringierend, frische Blätter besitzen zusätzlich eine insektizide Wirkung. Die adstringierend Wirkung ist der Grund, warum Walnussblätter immer wieder gegen Verdauungsbeschwerden empfohlen werden, die innere Verwendung ist heute aber aufgrund besserer Medikamente unüblich geworden.. (Quelle oder Quelle) Juglon wirkt hemmend auf den Wuchs von Pilzen und anderen Pflanzen.

Frucht:
Das Mesocarp ist reich an Vitamin C (Schütt/Schuck/Stimm S. 236). Inhaltsangaben aus für den Menschen gedachten Nährwerttabellen beziehen sich allein auf den Embryo mit seinen vielfach gefalteten und mit Speicherstoffen bestens versorgte Keimblätter, der vor allem sehr fett und damit energiereich ist: 100 g Walnüsse enthalten 2826 kj Energie (andere Quellen: 2788 kJ). Hauptnährstoffe sind 62% Fett (ungesättigt 42,5%), 15% Eiweiß, 12,1g Kohlenhydrate und 6,1g Ballaststoffe. In Walnussöl finden sich 70,9% mehrfach ungesättigte und 15,7% einfach ungesättigte Fettsäuren. Der Gehalt an Linolsäure beträgt 50-73, Linolensäure 3-9% und 18-36% Ölsäure. Mineralstoffe auf 100g: Kalium 570mg, Calcium 87mg, Phosphor 410mg, Magnesium 135mg, Eisen 2,1mg, Fluor 0,7mg weiterhin Kupfer, Mangan, Zink, Jod. Vitamine: A 10µg, B1 0,35mg, B2 0,1mg, B5, B6, C 3mg, E 6mg, K. (Quelle)(Quelle)(Quelle) (Bendel S. 331-333)

Rinde:
Rinde ist bei Papageien und Sittichen beliebt (Bielfeld S. 92). Vor der Verwendung von Walnusszweigen als Kletteräste für Wellensittiche wird aufgrund des hohen Gerbstoffanteils auf einer Webseite gewarnt. (Quelle) Eine Angabe, worauf diese Aussage beruht, ist leider nicht angegeben.

Galle
Keine Angaben

 
Halsbandsittich knackt Walnuss
Halsbandsittich knackt Walnuss
(Leverkusen)

Schwarznuss, Frucht
Schwarznuss, Frucht

Buntsspecht knackt Schwarznuss
Buntsspecht knackt Schwarznuss

 

Gefressene Pflanzenteile

Besonders die Früchte (Mesocarp?, sicher aber der Embryo), stehen auf dem Speisezettel deutscher Papageien. Daneben werden Blüten und Blattgallen gefressen. Zingel listet das Mesocarp nicht aber den Embryo unter den von Halsbandsittichen und Großen Alexandersittichen gefressenen Pflanzenteilen auf. Nach meinen eigenen Beobachtungen und Beobachtungen von H. Lammertz, wird aber der Embryo gefressen und das Mesocarp nur entfernt.

Besonders Verhalten

Beliebteste Pflanzenteil sind die Früchte die von Juli bis Oktober also noch während der Fruchtbildung gefressen werden.
Durchschnittsgewicht ganzer, frischer Früchte
DatumGewicht in gAnzahl
10.7.28,19
27.7.31,514
2.8.*31,322

Bei Früchten die ich am 10.7. gesammelt habe, ermittelte ich die Gewichtsanteile der einzelnen Fruchtbestandteile. Von durchschnittlich 28,1 g Frischgewicht der ganzen Frucht entfallen 14,2 g auf Exocarp und Mesocarp. Samen und Samenhaut - also das was als Nuss gefressen wird - machen durchschnittlich 3g aus. Getrocknet wog dieser Anteil 0,3g pro Frucht und weicht damit erheblich von Werten ab, die bei Handelsware zu finden sind. Reife und getrockte Walnussembryonen (einschließlich Haut) von einem einheimischen Baum wogen im Schnitt 2,8g, als Backzutat gekaufte durchschnittlich 5,5g. Der Unterschied zwischen reifen und unreifen Früchten dürfte besonders im Fettgehalt begründet sein: Fett verliert bei der Trocknung kein Gewicht und wird bei der Fruchtbildung als Speicherstoff erst langsam angelegt. Papageien fressen also Walnüsse bei denen noch nicht viel Fett eingelagert wurde. Dies zeigt auch der Unterschied zischen dem Literaturwert zur Fruchtreife September bis Oktober zum Zeitpunkt des Verzehrs durch die Papageien. Überschlägt man recht grob den Energiegehalt, den ein Baum bietet (0,3 g x 4000 Nüsse x 2800 KJ/g) so ergibt sich ein Wert von 33600 KJ für unreife und 31360000 KJ für reife Früchte.

Die Größe der Früchte ist von entscheidender Bedeutung für die Möglichkeiten, der Papageien die Frucht zu knacken. Während Große Alexandersittiche in der Lage sind, jede Walnuss direkt zu öffnen und der Anteil der ungefressenen Nüsse in den Nahrungsresten sehr gering ist, haben Halsbandsittiche aufgrund ihrer kleineren Größe und auch ihres relativ kleineren Schnabel diese Möglichkeit nicht. Sie müssen daher spezielle Angriffspunkte suchen um eine Nuss zu öffnen.

In der Ökologie kennt man den Hutchinson-Index. Er beschreibt den Größenunterschied zwischen zwei nahe verwandten Arten die im gleichen Areal leben und beträgt 12,5 %. Ein Wert, der auf Halsbandsittich und Großen Alexandersittich genau zutrifft (und auch der Pflaumenkopfsittich folgt dieser Regel). Ein solcher Körpergrößenunterschied bewirkt einen ausreichenden Größenunterschied der Nahrung, die effizient oder überhaupt von beiden Arten gefressen werden kann und sorgt so für die Minderung der Konkurrenz. Nun leben Halsbandsittiche und Große Alexandersittiche in Europa nicht in einem natürlich besiedelten Gebiet wo sich solche Größenanpassung evolutiv entwickelt können, aber die Verbreitungsgebiete beider Arten überschneiden sich auch in den Herkunftsländern. Papageien sind grundsätzlich an Walnüssen interessiert, für zu kleine Arten findet sich in der Halterliteratur aus diesem Grund der Hinweis, Walnüsse halbiert oder gehackt anzubieten, solch ein Service existiert in der Freiheit nicht.
Alle Papageienarten (z.B. auch Graupapageien in Volierenhaltung) beginnen beim Verzehr ungeschälter Nüsse mit der Entfernung von Mesocarp. Dies hat drei Vorteile: 1. Die Größe der Frucht reduziert sich (Durchschnittswerte aus 14 frischen Nüssen, ungeschält: 4,1 x 3,6 x 3,2 cm; geschält: 3,3 x 2,9 x 2,6 cm), 2. Das fasrige Mesocarp, das den Druck des Schnabels verteilt wird entfernt und 3. Ansatzpunkte für den Schnabel (Nähte, Wulste) werden so besser ertastbar. Die Schnäbel der beiden asiatischen Unterarten des Halsbandsittichs sind durchschnittlich etwas über 23 mm lang, dies ist offensichtlich zu wenig, um Nüsse nach Art eines Nussknackers - wie dieses Große Alexandersittiche können - zu öffnen. Halsbandsittiche scheinen sich von der Anwachsstelle der Nuss weiterzuarbeiten.

Walnüsse sind auch bei anderen Vogelarten hochbegehrte Nahrung, aber nur die wenigsten Arten besitzen anatomisch oder von der Intelligenz her die Möglichkeit sie zu öffnen. Rabenkrähen, Corvus corone öffnen die Früchte durch Fallenlassen oder durch Aufhacken der mit dem Fuß auf einem Ast fixierten Nuß, Tannenhähere Nucifraga caryocatacte und Eichelhähr, Garrulus glandarius hacken ebenfalls Nüsse auf. Eichelhähe bevorzugen noch weiche Nüsse. Spechte z.B. Buntspecht, Picoides major , Blutspecht, Picoides syriacus können sie in Spechtschmieden öffnen (siehe Bild zur Schwarznuss), auch Fichtenkreuzschnäbel, Loxia curvirostra besitzen einen zum Knacken geeigneten Schnabel. Wie dagegen die Kohlmeise, Parus major, an das Innere gelangt, ist mir nicht ganz klar. Die Walnussknackenden Papageien in deutschen Parks sind fast immer von Vögeln der Arten umlagert, die selbst nicht in der Lage sind Nüsse zu knacken, sich aber an den Fraßresten bedienen. hierzu zählen Buchfink Fringilla coelebs und Ringeltaube Palumbus palumbus. (Eigene Beobachtungen, persönliche Mitteilungen und Handbuch der Vögel Mitteleuropas)

Haltererfahrungen

In Internetforen, Büchern und Artikeln finden sich sehr unterschiedliche Angaben zur Verwendung von Walnuss (Früchte und Äste) in der Papageienhaltung. Als problematisch wird fast generell der hohe Fettanteil der Früchte angesehen, weiterhin finden sich kritische Anmerkungen zur Gefahr von Schnabelbrüchen und zur eventuellen Schimmelpilzgefahr. Nur wenige Halter haben vollständige, d.h. Früchte mit Mesocarb oder unreife Früchte verfüttert. Äste werden immer wieder gern verwendet, die Blätter, nach Neobachtung einer Halterin von den Papageien nicht gefressen, sondern abgebissen und fallen gelassen, also einfach aus dem Weg geräumt.

Wie hoch die Schimmelpilzgefahr tatsächlich ist und ob Früchte mit unverletztem Mesocarp Schimmelsporen aufweisen, war nicht zu ermitteln.

Handhabungshinweis: frische Walnussschale, d.h. das Mesocarp wird zum natürlichen Färben genutzt. Ich habe frische Nüsse zerlegt und hatte darauf hin nikotingelbe Finger, diese Färbung hielt einige Tage an. Vorsicht also beim Füttern frischer Nüsse, Fraßreste können Teppiche, Tapeten, Bezugsstoffe von Sofas oder Kleidung dauerhaft färben!


(*) Zu späteren Zeitpunkten ließen sich an den Nahrungsbäumen keine brauchbaren Proben mehr gewinnen, da die Papageien sie weitgehend leer gefressen hatten.

 
Blüte-, Frucht,- und Blattzeiten
JFMAMJJASOND
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Gefressene Pflanzenteile
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Großer Alexandersittich mit lauerndem Halsbandsittich
Großer Alexandersittich mit
lauerndem Halsbandsittich

Fraßreste Halsbandsittich
Fraßreste Halsbandsittich
(Leverkusen)
Die Reste von Großen Alexandersittichen bestehen dagegen überwiegend aus erfolgreich geknackten oder verdorbenen Nüssen sowie vielen kleinen Stücken des Mesocarps.

 
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