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Papageien vor der Haustür
Halsbandsittiche in Wiesbaden

Fassung 5.3 (Dezember 2003)
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Gemeine Roßkastanie Aesculus hippocastanum L. (Familie: Hippocastanaceae)

Artbeschreibung und Wissenswertes

Neben der Gemeine Roßkastanie Aesculus hippocastanum L. , die oft auch nur einfach verkürztend Kastanie genannt wird kommen u.a. in europäischen Parks auch weitere Arten wie etwa die Rote Roßkastanie Aesculus x carnea , eine Kreuzung aus Aesculus hippocastanum und Aesculus pavia vor. Die eigentliche echte Kastanie ist die Esskastanie Castanea sativa .

Die Gemeine Roßkastanie ist ein bis zu 25 Meter hoher Parkbaum mit gefingerten Blättern und großen weißen Blüten. Ursprüngliche Heimat: Balkan.

Giftwirkung, Chemie, Nährwert

Aesculus hippocastanum ist als wenig giftig klassifiziert. Unreife Früchte und grüne Samenschalen enthalten neben einigen ungeklärten Substanzen die Saponine Aescin und Aescigenin. Reife trockene Früchte enthalten bis zu 28% Saponine. Die LD 50 von beta-Aescin bei Säugetieren liegt zwischen 134 (Ratte) und 188 (Meerschweinchen) mg/kg Körpergewicht. Rosskastanien enthalten mindestens 3% Triterpenglykoside, berechnet als wasserfreies Aescin (Roth/Daunderer/Kormann S. 99-100). Für Menschen schmecken die Kastanien nussig mit einem extrem bitteren Nachgeschmack, der von den Saponinen herrührt.
Der Abbau von Saponinen mit Hilfe von Säuren oder Enzymen ergibt einen Zucker (häufig aber nicht zwingend Glucose) und ein Sapogenin, welches bei zweikeimblättrigen Pflanzen ein Triterpen ist (Richter S. 386-388).
Bei Saponinen handelt es sich um verschiedenartige Verbindungen, deren gemeinsame Eigenschaft darin besteht, dass sie in wässriger Lösung stark schäumen (Sapo = lat. Seife). Die Giftwirkung der Saponine besteht darin, dass sie die Durchlässigkeit von Zelloberflächen (z.B. von Schleimhäuten oder roten Blutkörperchen) verändert. Folglich sind Vergiftungen durch Zerstörung der Magen-Darm-Schleimhaut und Hämolyse gekennzeichnet. Nach einem Hinweis der kölner Giftzentrale, soll bei gesunder Magen-Darm-Schleimhaut dieses Problem nicht bestehen.
Blüten, bzw. der Blütenpollen können bei Menschen zu einer inhalativen Allergie führen (Roth/Daunderer/Kormann S. 99-100).
Auch die Rote Roßkastanie (Aesculus x carnea) besitzt die gleichen Gifte.
Nach Ernst schätzen die Halsbandsittiche die Blüten vor allem als Zuckerquelle. Zur Übersicht: Nektargehalt und Honigertrag einiger Blüten verschiedener Papageiennahrungspflanzen.

Die von den Tieren gefressenen jungen Blattstile sind sehr saftig und haben ebenfalls einen bitteren Beigeschmack.

Die Halterliteratur (Schnabl, Bielfeld) enthält keine Hinweise auf Kastanien als Papageiennahrung.

 
 

 

 

Gefressene Pflanzenteile

Gefressen werden von Halsbandsittichen Knospen, Blattstile, Blüten und die reifen Früchte bevor sie zu Boden fallen, die Stuttgarter und Wiesbadener Amazonen fessen nur die Blüten.
Die Novemberangaben in der Tabelle beruhen auf einer biologischen Anomalie. Im Jahr 2000 waren die Biebricher Kastanien so stark von der Kastanienminiermotte befallen, dass sie vorzeitig ihre Blätter verloren haben. Der warme Herbst ermöglichte einen zweiten Austrieb von Blättern und Blüten.

Besonders Verhalten

Während Knospen und junge Blätter bzw. Blattstile einfach gefressen werden können, d.h. entweder direkt abgeknabbert oder nach Ernte mit dem Fuß zum Schnabel geführt werden können, ist es für die Vögel äußerst schwierig an die Kastanien selbst zu kommen. Die Kastanien werden nicht auf dem Boden gefressen, sondern auf den Bäumen geerntet. Gefressen werden die von der grünen Hülle befreiten braunen Kastanien. Was allerdings aufgrund der Größe, Glätte und 'Verpackung' der Früchte sowie der stark schwankenden Ästchen, an denen sich die Fruchtstände befinden, nicht ganz einfach ist. Bei Jungtieren fallen über 95 Prozent der Kastanien zu Boden, erwachsene Tieren sind geschickter. Die Halsbandsittiche müssen sich zunächst bis zu den Fruchtständen vorarbeiten, wobei sie beide Füße und den Schnabel benutzen, um nicht abzustürzen. Dann können sie auf zwei Wegen an die Frucht gelangen. Der eine Weg besteht darin, die Frucht mitsamt der stachligen Hülle zu ernten und diese dann auf einem dickeren Ast auszupacken. Das Problem hierbei ist es, daß gleichzeitig die Frucht festgehalten und abgebissen werden muß, was den Schnabel und einen Fuß erfordert und somit die Gefahr des Absturzes birgt. Der zweite Weg besteht darin die Frucht im Fruchstand vorsichtig zu schälen und sie dann mit dem Schnabel zu packen und sie zu einem sicheren Ort zu tragen, wo sie in einem Fuß zum Fressen gehalten werden kann. Problematisch ist an diesem Weg, dass der richtige Moment gefunden werden muss, in dem die Kastanie schon gepackt werden kann, sie aber noch nicht zu Boden fällt. Zum Glück besitzen Kastanienbäume sehr viele Früchte. Auch die Kastanien selbst sind sehr glatt und springen den Papageien oft aus der Hand. (Beobachtungen vom 12.8.1998, 9.9.1999 und 16.9.1999)

Die Londoner Halsbandsittiche haben, so war es in einem Naturfilm zu sehen, eine effizientere Technik entwickelt um Kastanien zu verzehren. Sie ernten die ungeöffneten Früchte mit samt der grünen Schale. Dann wird die ganze Frucht im Fuß gehalten und nach der Art eines geköpften Frühstückseis von oben aus ausgefessen. Dies vermeidet den Umgang mit der gatten und glitischigen Oberfläche frisch geschälter Kastanien.

Später im Jahr (ab Dezember) werden die Knospen der Roßkastanie gefressen. Zu diesem Zeitpunkt sind sie von einem klebrigen Saft umgeben, welcher für Menschen fast ohne Geschmack ist. Allerdings lassen die Sittiche die hartschalige Hülle der Knospen vom Baum fallen, von den in der Knospe vorhandenen zarten Blättern bleiben nur an Baumwolle erinnernde Fasern zurück (Beobachtung vom 13.12.1998). Junge Blatttriebe wurden am 28.3.1998 verzehrt.

Haltererfahrungen

Im Papageientreff berichtet 'Lori' das sie ihren Graupapagei im Herbst gelegentlich mit bis zu 3 Kastanien pro Woche füttert.

Heimische Vögel die Aesculus hippocastanum oder Roßkastanie fressen

Frucht: Eichelhäher Garrulus glandarius und Dohle Corvus monedula .

 
Blüte-, Frucht,- und Blattzeiten
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Gefressene Pflanzenteile
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