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Papageien vor der Haustür
Halsbandsittiche in Wiesbaden

Fassung 5.3 (Juli 2003)
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Sonstige, Zwischenlager

Am 29.10.1999 gab es einen regelrechten Luftkampf zwischen 10-15 Halsbandsittichen und einem Sperber herunter bis fast auf Bodennivau. Der Greif wurde von dem Trupp Sittiche umschwaermt und konnte sich durch geschickte Flugmanöver von dem Schwarm befreien. Er tauchte 'durch die Sonne'. Am 7.12.1999 wurde ein Sperber von Halsbandsittichen und Rabenvögeln verhaßt. Andere Beobachter berichten von solchem Verhalten gegenüber Bussarden.

Eine tatsächliche Gefahr für Halsbandsittiche stellen wohl vor allem Wanderfalken dar, in deren Nahrungsresten man schon die Überreste von Halsbandsittichen gefunden hat.

Rechts: Totfund eines Halsbandsittichs aus dem Biebricher Schloßpark (Funddatum: 9.4.1999). Die Art der Rupfung (vorhanden sind Teile der Hand- und Armschwingen) und die zerbrochenen Knochen deuten auf die Beute eines Greifvogels, vermutlich einen Wanderfalken, hin.

 Rupfung eines Wanderfalken(?)

Vögel spielen nicht nur als Freßfeinde, sondern auch als potentielle Konkurrenten um Ressourcen wie Nahrung und Bruthöhlen eine Rolle.

Spechte (Picidae)

Spechte brüten wie Halsbandsittiche in Baumhöhlen, sind aber, im Gegensatz zu anderen Höhlenbrütern, nicht auf vorgefundene Höhlen angewiesen, sondern legen sie in meist festem Holz selbst an. Hierzu dient ihr als Meißel ausgebildeter Schnabel. Halsbandsittiche nutzen Specht- und Naturhöhlen.

Da mehrere Vogelschützer meinten, Halsbandsittiche würden einheimischen Vögeln wie Spechten Nistmöglichkeiten wegnehmen und daß hieraus ein Argument gegen die "Faunenverfälschung" durch Halsbandsittiche abzuleiten sei, sei hier ein Befund von Ernst referiert. Danach ist eine Konkurrenz mit den einen Teil der Nisthöhlen anlegenden Spechten weitgehend ausgeschlossen, da die Spechte ihre Nisthöhlen erst bauen, wenn die Wahl der Bruthöhle durch die Papageien längst getroffen wurde. Spechte benutzen ihre Höhle meist nur für eine Brut. Im nächsten Jahr stehen sie 'Nachmietern' zur Verfügung.

Die Bruthöhlen werden durch Halsbandsittiche bereits Ende September besucht und im Januar fast dauerhaft besetzt. Bei Grünspechten (Picus viridis) beginnt die Neuanlage der Bruthöhle im März (Bezzel S. 704) auch Buntspechte (Dendrocopos major) beziehen Ende März das Brutrevier (Bezzel S. 710).

Hinzugesetzt werden sollte noch, daß Spechte besonders Buntspecht (Dendrocopos major) und Grünspecht (Picus viridis), auch nach mitlerweile über zwanzigjährigem Vorkommen von Halsbandsittichen in Biebrich keineswegs ausgestorben sind und häufiger beobachtet werden können. Grünspechte sind mit ca. 30 cm Länge etwas kleiner als Halsbandsittiche, Buntspechte mit ca. 23 cm Körperlänge nur etwa halb so groß. Die Lebensbedingungen für Höhlenbrüter wurden in den letzten Jahren durch das Beseitigen von toten Ästen und alten Bäumen schlechter.

Buntspecht (Dendrocopos major)

Am 22.1.1999 saß ein Buntspecht (Weibchen) auf einer Platane mit mindestens 5 von Halsbandsittichen beanspruchten Höhlen. Nachdem er wenige Minuten an zwei oder drei Ästen herumgesucht hatte, landete er in einem Moment der Abwesenheit an einem Höhleneingang, wo er vertrieben wurde. Der Specht wechselte mit einer Zwischenstation auf einem Ast zu einem ein paar Meter höher gelegenen Astloch, wo er vom selben Halsbandsittich, der zur unteren Höhle gehörte, erneut verscheucht wurde. Der Specht wartete erst gar nicht bis der Halsbandsittich in seine unmittelbare Nähe gekommen war, sondern flog schon bei ca. 5 m Entfernung davon.

Das Verscheuchen von Buntspechten scheint aber nur an Bruthöhlen vorzukommen. Am 9.9.1999 und 2.12.1999 beobachtete ich wie je ein Buntspecht in unmittelbarer Nähe von Halsbandsittichen, die auf Bäumen mit dem Fressen beschäftigt waren unbehelligt vorbeihuschte.



22.1.1999 : Buntspecht (Weibchen) am Eingang einer von Halsbandsittichen beanspruchten Höhle. Und wenige Sekunden später Halsbandsittich an der selben Höhle.

Futterplätze, die auch von Halsbandsittichen besucht werden, dienen auch Buntspechten als zusätzliche Nahrungsressource (Beobachtung vom 23.4.1998). Buntspechte nehmen neben den bei allen Spechtarten üblichen Insekten und Insektenlarven von allen Spechten am meisten vegetarische Kost zu sich.

Dohle (Corvus monedula)

Die Nisthöhlen von Dohlen liegen u.a. auch Bäumen auf bzw. in Ästen, die auch Papageien als Brutbaum dienen.
 

Andere Höhlenbrüter

Andere Höhlenbrüter im Park, etwa Stare oder Kleiber können Baumhöhlen benutzen, die für Halsbandsittiche zu klein sind, oder deren Sicherheitsbedürfnis, was die Höhe der Höhlen betrifft, nicht genügen.

Star, Kleiber

Andere Papageienarten

Unter den in Biebrich vorkommenden Papageien kommt als Konkurrent zahlenmäßig nur der Große Alexandersittich (Psittacula eupatria) in Frage. Die meisten Nahrungsquellen wie Früchte und Knospen von Bäumen kommen relativ großflächig vor, so können sich die Papageien unabhänig davon, welcher Art sie angehören, aus dem Weg gehen. An künstlichen Futterplätzen kann es zu Konkurrenzsituationen kommen.

13.12.1998 : Ein Großer Alexandersittich (Psittacula eupatria) verteidigt 'sein' Futter

 
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