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Papageien vor der Haustür
Halsbandsittiche in Wiesbaden

Fassung 5.4 (März 2004)
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Eulen Strigiformes

Eulen kommen weltweit vor, sie sind meist nachtaktive Beutegreifer die von Kleinsäugern, Vögeln, Reptilien, Amphibien, Fische oder Insekten leben. In das Handbuch der Vögel Mitteleuropas wurden 13 Eulenarten aufgenommen (Glutz Bd. 9, S. 5-6). Die nächtliche Jagd der Eulen hat zu zwei Spezialanpassungen geführt. Eulen besitzen zum einen Augen, die auf geringe Lichtmengen optimiert sind, zum anderen ein ausgezeichnetes Gehör und ein auf lautlosen Flug angepasstes Gefieder.

Es gibt zwei Berührungspunkte zwischen Eulen und Papageienvögeln: Einige Eulen nutzen Baumhöhlen und manche Arten erbeuten Papageienvögel. Bei uns sind aufgrund von Beobachtungen bisher zwei Arten von Interessse, der Waldkauz Strix aluco und der Steinkauz Strix nocuta .

19 Eulenarten kommen z.B. auf der von Halsbandsittichen bewohnten Insel Sri Lanka vor, darunter auch 'unsere' Sumpfohreule Asio flammeus und Schleiereule Tyto alba .(Lamsfuss 1998, S. 169-170) Die Sumpfohreule jagt bei uns auch Kleinvögel (Limikolen, Seeschwalben, Feldlerchen, Pieper, Stare, Ammern usw.), die im Winter lokal gelegentlich zur Hauptnahrung werden. (Glutz Bd. 9, S. 450) Die Gattung Strix wird in Sri Lanka durch den 47 cm großen Malaienkauz Strix leptogrammica vertreten, diese Art jagt vorwiegend Mäuse und Ratten, der Nepaluhu Bubu nipalensis auch Vögel. Die meisten dieser Eulenarten brüten dort in der Brutzeit der Halsbandsittiche. (Lamsfuss 1998, S. 169-170)

Einem Naturfilm nach sollen in Australien in Städten lebende Loris den Prädationsdruck durch Eulen dadurch mildern, das sie ihre Schlafbäume auf den Parkplätzen von Schnellrestaurants suchen. Licht und Lärm wirkt hier wohl gefahrenmindernt. Im Film waren auch Eulen mit erfolgreich gejagten Loris zu sehen.
Auch in Deutschland gibt es Verhaltensweisen, die sich als solches Schutzverhalten bei Halsbandsittichen deuten lassen. Halsbandsittiche übernachten nicht auf den äußeren und damit für fliegende Prädatoren einfach zu erreichenden Asten, sondern auf den inneren. In Heidelberg wurde eine zeitlang auf einem Baum geschlafen, der an einer vierspurigen Straße lag. Beleuchtung vor allem aber der Verkehrslärm dürfte die Sinne der Eulen behindern.

Waldkauz Strix aluco

Waldkäuze dürften an nahezu allen Halsbandsittichevorkommen in Deutschland anzutreffen sein. Im Schlosspark Wiesbaden Biebrich und Schwetzingen (Bild rechts) sind sie durch eigene Beobachtungen belegt. Im Biebricher Schloßpark haben Waldkäuze nachweislich 1962, 1966, 1968, 1987 gebrütet. Sichtungen der Ästlinge sind aber aufgrund von Laubaustrieb schlecht zu erbringen, von jährlichen Bruten ist auszugehen. Im Park hat ein Brutpaar sein Revier. (Zingel 1988, S. 26 und 36) Auch 2002 war ein Ästling zu beobachten. Düsseldorf besitzt einen Bestand von mindestens 40-54 Brutpaaren. (Leisten 2002, S.139) In Köln wurden Waldkäuze bei der Fledermausjagd beobachtet. (Quelle)

Im Schloßpark Biebrich wurden vom Waldkauzpaar im Wechsel vier Rosskastanien bebrütet, wobei die Höhlen in den verschiedenen Jahren auch von Papageien genutzt wurden. Selbst geringer Abstand von Bruthöhlen auf einem Baum stellten dabei kein Problem dar. (Zingel mündl.)

Kurzer Steckbrief

Der Waldkauz ist mit 39 - 42 cm große Eule mit einer Spannweite von 94 - 104 cm , unsere zweitgrößte Eule. Die Männchen sind in der Regel etwas kleiner als das Weibchen. Sie wiegen im Durchschnitt etwa 440 g, die Weibchen 560 g. Ausgewachsene Männchen sind reviertreu, verpaarte Weibchen überwintern im Revier des Männchens. Sie können in Dauerehe über Jahre am selben Ort brüten. Die optimale Größe der Territorien liegt zwischen 25-30(50) ha, mit einer verteidigten Grenzlinien von etwa 2-3 km Länge. Diese Größe kann in reichstrukturierten Landschaften unterschritten werden. (Glutz Bd. 9, S. 590)

Waldkäuze nutzen Baumhöhlen aber auch ungestörte Winkel von Gebäuden (Dachböden, Kirchtürme, Scheunen, Ruinen), sowie Nistkästen. Sie sind Frühbrüter, nach der Balz im Februar beginnt das Weibchen Anfang bis Mitte März mit der Eiablage von 3 - 6 Eiern, (Brutdauer 28 - 29 Tage, Nestlingszeit 4 - 5 Wochen). Danach verlassen noch nicht ganz flugfähigen Jungen verlassen dann das Nest und sitzen als sog. Ästlinge im Baum. Sie werden von den Eltern noch 8 - 10 Wochen weiterbetreut, bis sie dann etwa Anfang August selbstständig sind. Gefüttert wird aus Beutevorräten in der Abenddämmerung, um Mitternacht, in der Morgendämmerung und mittags, wobei flügge Junge um mitternacht am intensivsten betteln. (Glutz Bd. 9, S. 598)

Waldkäuze sind ausgesprochene Standvögel mit einem relativ kleinen Jagdgebiet und großem Beutespektrum. (Glutz Bd. 9, S. 605)

 

   
Waldkauz im Höhleneingang Waldkauz im Höhleneingang einer Platane (Schwetzinger Schlosspark)

Bruthöhlenkonkurrenz?

Die Brutzeit und der Gebrauch von Baumhöhlen in der Brutzeit von Halsbandsittichen bedeutet eine potentielle Konkurrenzsituation. Diese wird gemindert durch die Unterschiede in der Gestaltung der Höhlen, die beide Arten bevorzugen. Nistkästen für Waldkäuze besitzen Abmessungen von 40 x 26,5 x 22 cm und ein Einflugloch mit einem Mindestdurchmesser von 12 cm. Halsbandsittichnistkästen oder Bruthöhlen besitzen idealerweise ein kleineres Einflugloch von nur 8 cm. Halsbandsittiche können zwar enge Höhlen vergrößern, mauern aber keine Höhleneingänge zu.

In der Literatur sind mehrere Einzelbeobachtungen zu Höhlen und Vogelarten zu finden. Ein Pärchen Blaumeisen Parus caeruleus brütete in einer Baumhöhle, die nur 1,5 m entfernt von einem besetzte Waldkauznest lag. (Glutz Bd. 13I, S. 617) Dohlen Corvus monedula verdrängen gelegentlich durch den Eintrag von Ästen und Zweigen Waldkäuze aus ihren Höhlen (Glutz Bd. 13III, S. 1703). Waldkauzkästen werden auch von Kohlmeisen Parus major gelegentlich durch Eintrag großer Moosmengen verkleinert. (Glutz Bd. 13I, S. 742) Kleiber Sitta europaea können Waldkauznisthöhlen benutzen, deren Eingang sie mit beträchtlichen Materialmengen, vor allem Lehm (getrocknet 1650 g bzw. 1420 g), zumauern. (Glutz Bd. 13III, S. 845, S, 847) Daneben nutzen auch Elstern Pica pica und (Glutz Bd. 13III, S. 1477) und Eichelhäher Garrulus glandarius ( Glutz Bd. 13III, S. 1413) gelegentlich Waldkauznistkästen.

Beutespektrum

Kleinnagerarten stellen zusammen mit Kleinvögeln fast immer über 90% der Gesamtbeute. (Glutz Bd. 9, S. 416) Daneben werden auch Insekten und Amphibien gejagt. Der Gewichtsanteil an Vögeln, hochgerechnet aus Skelettresten in Gewöllen, schwankte bei einer Untersuchung im niederländischen Twente (3756 Beutetiere) nach Monat bzw. Jahreszeit zwischen rund 15 und 50%. (Glutz Bd. 9 S. 608) Die Größe, bzw. das Gewicht der von Waldkäuzen gejagten Kleinsäuger kann in Ausnahmefällen beträchtlich sein und 300-350 g erreichen. Auch Vögel von ähnlichem Gewicht (Haustaube, Ringeltaube, Rebhuhn, Bläßhuhn, Haselhuhn, Jungfasan, Rabenkrähe, Stockente) können erbeutet werden. Waldkäuze sind in der Lage Beute bis ca. 320 g fliegend abzutransportieren. Wichtiger sind aber kleinere Beutetiere bis zu einem Gewicht von 100 g (z.B. Drosseln), unter den Vögeln insbesondere gesellig nächtigende Arten und Höhlenbrüter, vorab Sperlinge, Star, Grünfink, Goldammer, Buchfink, Amsel, Wacholderdrossel, häufige Meisenarten, aber auch Rauchschwalbe, Mehlschwalbe und Mauersegler. An einem Brutplatz wurden allein 66 Vogelarten nachgewiesen. (Glutz Bd. 9, S. 608)

Halsbandsittich als Jagdbeute?

Da Halsbandsittiche gesellig nächtigen und im Gewicht nicht wesentlich über der bevorzugten Vogelbeute liegen, ist die Frage offen, ob auch Halsbandsittiche an ihren Schlafbäumen geschlagen werden. Der Gebrauch nahe beieinander liegender Bruthöhlen ohne das Jagdverhalten beobachtet wurde, muss nichts bedeuten. Auch Meisen brüteten ja in der Nähe einer Waldkauzhöhle.

Halsbandsittiche waren bei einem 20minütigen Vertreiben eines tief in einem Gebüsch sitzenden Waldkauzes durch verschiedene Vogelarten am 05.07.03 in Heidelberg zu beobachten. Beteiligt waren: Elstern Pica pica, Amseln Turdus merula und Blaumeisen Parus caeruleus. Nur die drei Elstern attackierten den Kauz. Er wechselte zu einem höher gelegenen Ast in einer Trauerweide, hier wurde er noch mehrere Minuten lang von den Elstern angegriffen, was ihn aber nicht zur Flucht veranlasste. Die anderen Vögel warnten, Halsbandsittiche versammelten sich in einer Gruppe von 5 Vögeln auf einem benachbarten Baum und zeterten laut, gingen aber nicht aktiv zum Angriff über. (Braun 2004)

Bis jetzt gibt es keinen Hinweis für Halsbandsittiche als Jagdbeute von Waldkäuzen. Anders könnte es beim deutlich kleineren Steinkauz aussehen.

Steinkauz Strix nocuta (=Athene noctua)

Kurzer Steckbrief

Steinkäuze sind mit einem Gewicht von 180-200g und einer Körperlänge von 22 cm deutlich kleiner als Waldkäuze. Die Verbreitung ist trans-paläarktisch, und reicht über die Arabische Halbinsel bis nach Äthiopien. (Glutz Bd. 9, S. 502) Damit erreichen sie das natürliche Verbreitungsgebiet des Halsbandsittichs in Afrika. Steinkäuze bevorzugen offene Landschaft mit ausreichendem Angebot an geräumigen Bruthöhlen, Tageseinständen wie Gemäuer, Dachböden, Baum- und Gebüschgruppen, Nistkästen usw. Sie fehlen im Wald und stehen mit dem Waldkauz Strix aluco in Konkurrenz. Steinkauz-Territorien umfassen rund 0,5 qkm. (Glutz Bd. 9, S. 514-115) Für einen so kleinen Vogel ist die Größe mancher Jagdbeute erstaunlich. Sie reicht bis zu Haus- und Ringeltaube, Fasane, Teichhühner, Kiebitze, Spechte, Misteldrosseln und Eichelhäher. (Glutz Bd. 9, S. 528) Halsbandsittiche wären damit durchaus eine mögliche Beute.

Interaktion mit Halsbandsittichen

In Köln konnte Ernst eine Gruppe von 3-6 Halsbandsittichen beobachten, die sich unter lautem Geschrei mehrfach einem Steinkauz auf 5 m näherten. Der Steinkauz zeigte keine Reaktion. (Ernst S. 81) Solch ein Sicherheitsabstand wird bei anderen Tieren, die Halsbandsittiche vertreiben, wie etwa Eichhörnchen nicht eingehalten. Andererseits beschränken sich Atacken von Halsbandsittichen auf Prädatoren nicht auf tatsächliche Halsbandsittichfeinde. Auch harmlose Mäusefresser wie Bussarde werden gelegentlich vertrieben. Am 27.06.1996 wurden bei der Kontrolle eines Steinkauznestes in Wiesbaden Schierstein neben Federn von anderen Vögeln auch Halsbandsittichfedern gefunden, die als Nistmaterial genutzt wurden. (Natis, HGON Wiesbaden) Der Fundort liegt unweit des Halsbandsittichschlafbaums. Dieser Federfund muss aber nicht auf Jagdbeute beruhen. Ein mit Halsbandsittichfedern gepolstertes Singvogelnest wurde im Sommer 2003 von mir in der 'Einflugschneise' des Schlafbaums in Ludwigshafen gefunden.

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