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Papageien vor der Haustür
Halsbandsittiche in Wiesbaden

Fassung 5.2 (Mai 2002)
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Halsbandsittiche im Großraum London

Am 25.4.2002 habe ich im Großraum London den Park von Richmond und die dort lebendenHalsbandsittiche besucht. Die 50 Tiere, die ich sehen und zählen konnte, sind dabei nur Teileiner Population, deren Schlafbäume mit bis zu 4000 Tieren etwas südwestlicher in Esher liegen.Den Hinweis auf diesen Park habe ich von Chris Butler,der die Tiere in Großbritanien, besonders in London beobachtet. Hier ein Link zu einer Karte des Parks und seiner Umgebung sowie zur Lage des Parks im Großraum London. Der Park ist mit einem Pfeil markiert.

Habitat und Nahrungspflanzen

Der Park selbst besitzt etwa die Gestalt eines auf die Spitze gestellten Quadrates mit einerDiagonalen von über 4 km. Nördlich liegt ein kleiner Friedhof. Weite Flächen des Parks sind vonGras bestanden, andere Teile werden von Wäldchen, in denen Stieleichen vorherrschen, gebildet.

Blick in den Park
Blick aus einem Stileichenwäldchen

Blick aus einem kleinen Park Richtung Esher
Blick aus einem kleinen Park (Rembroke Loge) Richtung Esher

In dem Park sind kleine abgezäunte Gartenanlagen mit vielfältigen Garten und Parkpflanzensowie künstlichen Wasserflächen eingebettet. Zwei Stauseen bilden die Mitte des ganzen Parkes.Der Baumbestand ist z.T. sehr alt, Eichen oder Platanen mit einem Stammdurchmesser von 1-1,5m,sind zu finden. Als potenzielle Nahrungspflanzen von Papageien konnte ich Lärche, Esskastanie,amerikanische Eiche, Platane, Rosskastanie, Ahorn und Hainbuche, z.T. mit nicht ganz eindeutigenFraßresten feststellen, die aber nur in wenigen Exemplaren vertreten sind. Weitere Arten lassensich sicher bei gezielter Suche ermitteln. An Zahl und Fläche sind die Stieleichen dominierend,und meine einzige Beobachtung an Nahrungsaufnahme im Park war das Fressen von Stieleichenblüten.Das Umfeld des Parks: ein Friedhof, weitere innerörtliche Grünanlagen, Privatgärten z.T. mitebenfalls alten Baumbeständen wird vermutlich auch genutzt. Am westlichen Eingang des Parks ineinem Privatgarten steht eine Gruppe von Gingkobäumen, die von den Papageien als Anflugpunkt undBeobachtungsplatz zum Weiterflug in die Gärten verwendet wird. Die nördlich vom Park gelegeneFriedhofsanlage wurde aus Norden von mehreren Trupps Richtung Park überflogen.

Brutverhalten

Der jahreszeitlich bedingte Entwicklungsstand, der Austrieb von Blättern, Blüten oder Früchten von Bäumen war in etwa mit dem in Wiesbaden Biebrich vergleichbar: Die Rosskastanienblüten waren etwas weiter, die Eichenblüten etwas zurück. Insofern steht gewiss auch in London genügend natürliche Nahrung zur Verfügung.Der Park ist offensichtlich vor allem ein Brutrevier. Mich erstaunte dass ich bei rund 30 Tieren,die ich genauer betrachten konnte nur 3 ausgefärbte Männchen feststellen konnte. Vieleoffensichtliche Pärchen bestanden aus Tieren, von denen das Männchen nicht ausgefärbt war.Bei einem Pärchen war die Paarbildung noch in Gang: zwei unausgefärbte Männchen warben um einWeibchen. Grünspecht
Grünspecht und Buntspechte, die als Höhlenliferantenin Frage kommen, konnte ich beoabchten.

Balzendes Männchen Balzendes Männchen
Balzendes Pärchen, Männchen links

Ein junges Pärchen zeigte ein erstaunliches Verhalten, das ich bisher nicht beobachtethabe: Das Männchen kraulte das Weibchen am Kopf, dann folgte typisches Balzverhalten:hochaufgerichtetes Stolzieren mit abgespreizten Flügeln neben dem Weibchen, wiederum Kraulen desKopfgefieders. Bis hierhin ist das der normale Ablauf des Geschehens.Anschließend kraulte das Weibchen(!) dem Männchen den Kopf. Es folgte keinePaarung, aber beide Tiere zeigten dann das nach Paarungen übliche solitäre Putzverhalten.

Brutbaum Brutbaum
Brutbaum und aus der Bruthöhle schauender Halsbandsittch

Die Bruthöhlen fanden sich ausschließlich in Stieleichen in einer Höhe von über 10 m undzwar vermutlich in alten Spechthöhlen von denen zahlreiche weder durch Papageien nochdurch Spechte oder andere Vögel besetzt waren. Halsbandsittiche können zwar auch selbst Höhlenin Eichen anlegen, sie nutzen dann aber eine Schwachstelle im Holz, z.B. einenausgefaulten Ast. Die Höhlen in diesem Park waren jedoch in der blanken Rinde angelegtund ihre Kanten zeigten nur selten die typischen Nagespuren der Papageien.Die meisten Höhlen lagen am Stamm, eine von einem ausgefärbten Pärchen besetzte Höhledagegen in einem dicken waagerechten Ast mit der Öffnung nach unten (siehe Fotos). DiePärchen flogen vielfach noch zu zweit, waren also nicht mit der Brut beschäftigt.Die geringe Anzahl ausgefärbter Männchen, der Mangel an vielfältigen Nahrungspflanzen,die bisher viel kleiner angegebene Zahl der gesichteten Papageien in dem Park lassenmich vermuten, dass der Park erst eine relativ junge Besiedlung hat.Zum Vergleich: mehr als 100 Paare kommen in Wiesbaden Biebrich auf 0,39 qkm. Der Park besitzt rund 9 qkm Fläche.

Verhalten gegenüber Prädatoren und Konkurrenten

Ganz erstaunt war ich über das Verhalten eines Halsbandsittichpaares.Eines der im Park zahlreichen nordamerikanischen Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) kletterteauf den Baum, wo das Paar gerade an einem Höhleneingang saß, das Pärchen ergriff die Flucht.

Grauhörnchen Brutbaum
Grauhörnchen und Falke

Dieses Verhalten von Halsbandsittichen, noch dazu während der Brutphase, habe ich bei einem deutschenHalsbandsittich gegenüber einem Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) nie beobachtet: Hier wird mitWarnrufen oft eine ganze Gruppe zusammenrufen und immer versucht, das Eichhörnchen zumindestaus dem Bereich der Bruthöhlen zu verscheuchen. In einem zweiten Fall waren dieHalsbandsittiche mutiger. Ein einzelnes Pärchen vertrieb ein Pärchen Turmfalken aus der Näheseines isoliert stehenden Brutbaumes, im Bild der vertriebene Falke.

Unterarten und Unterschiede zu deutschen Halsbandsittichen

Ein wichtiger Unterschied zwirschen den deutschen und den englischen Halsbandsittichen liegtsicher in den Rufen. Die englischen Vögel variieren die Rufe anders als die Halsbandsittiche,die ich in Deutschland gehört habe. Häufig sind kleine Wiederholungen im Ruf, etwa wie ein spanisches rollendes "r".

Einige der Londoner Halsbandsittiche besitzen die korallenrote oder zumindest eineleuchtender rote Oberschanbelfarbe als deutsche Halsbandsittiche.Diese Färbung ist ein Merkmal der nordindische Unterart Neumanns Halsbandsittich Psittacula krameri borealis.Der Unterschnabel ist wie bei den Deutschen HAlsbandsittichen vorwiegend dunkel, z.T aber mit starkenroten Partien.

 Pärchen 
Junges Pärchen
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