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Papageien vor der Haustür
Halsbandsittiche in Wiesbaden

Fassung 5.2 (Januar 2002)
Zur Übersichtskarte Bundesrepublik
 

Köln

In Köln und einem Umkreis von 15 km leben derzeit (Anfang 2001) über 850 Tiere. Der Ursprung dieser Population läßt sich nicht mehr nachvollziehen (Ernst). Sehr umfangreiche Erkenntnisse über diese Population bietet die Diplomarbeit von Ulrike Ernst. In Köln wurden 1975 über 100 Tiere geschossen (Bezzel S.621). Beobachtet wurden die Tiere u.a. in Köln-West (Weiden, Lövenich), Zoo und Flora.

 Verbreitungskarte Köln 1995
Halsbandsittiche in Köln
rot: Bruten
schwarz: Sichtungen
Karte wird überarbeitet

Hier ein Auszug aus den Eindrücke von der Exkursion zu den Papageien im Raum Düsseldorf und Köln:
Geführt von Frau Kahl-Dunkel von der OAG-Köln besuchten wir (Tobias Krause und ich) den Schlafbaum aller (!) Kölner Halsbandsittiche. Tobias und Frau Kahl-Dunkel zählten die Tiere nach der Landung: 820 Krummschnäbel. Im Herbst waren es noch 950 Vögel - es müssen also schon einige Weibchen in den Bruthöhlen übernachten. Die Tier treffen wesentlich gestreuter ein als in Wiesbaden. Noch nach einer Stunde flogen kleine Gruppen Halsbandsittiche ein. Der Beginn des Einfluges lag wie zu erwarten ca. 20 Minuten nach Sonnenuntergang und erfolgte aus drei Hauptrichtungen. Deutlich waren die Unterschiede zwischen einfliegenden Einzeltieren: große Flughöhe, Zick-Zack Flug und Gruppen: niedrige Flughöhe, direkter Anflug. Vermutlich können Greifvögel wie z.B. Wanderfalken so die Tiere schwieriger erbeuten. Energetisch ist für Papageien der gemeinsame, geradlinige Flug zum Schlafbaum günstiger, aber dann muss der erhöhte Konkurrenzdruck bei der Bruthöhlensuche in Kauf genommen werden. Ein Kompromiss bilden Sammelpunkte, von denen aus gemeinsam zum Schlafbaum geflogen wird. Die Papageien fliegen auf festen Routen, die sich an Parks, Alleen oder Eisenbahnlinien orientieren. Der Rhein wird auf einer dieser Routen gleich zweimal gekreuzt. Einzugsgebiet sind 30 km Umkreis. Dies bedingt sehr lange und auch unterschiedliche Flugzeiten. Die Papageien nahmen nicht den direkten Weg zum Schlafbaum, sondern machten in einer großen Gruppe auf einigen Bäumen Zuckerahorn (Acer saccharum) Station, um hier Knospen zu fressen. Die Schlafbäume selbst liegen auf einem Grünstreifen vor dem Altersheim, mit einem sehr gut gedüngten Rasen. Die ankommenden Vögel waren sehr leise. Beim Eindösen ließen sie ein leises Schnabelknacken vernehmen. Aus 820 Schnäbeln klingt das wie sanfter Regen. Offensichtlich störte sie das Licht aus den Fenstern nicht, dieses erleuchtete die Szene aber soweit, dass man sehen konnte, dass die Papageienpärchen fast mit Körperkontakt übernachteten. Die Übernachtung anderer Papageienarten am Schlafplatz kann ausgeschlossen werden.

Am Kölner Schlafbaum Am Kölner Schlafbaum 

Ein früher Zeitungsartikel aus Köln, der die damalige Skepsis gegenüber den Vögeln zeigt. Schön ist es aber auch zu erfahren, dass die Tiere die Schlauheit besitzen Jäger zu erkennen und diesen gezielt aus dem Weg zu gehen.

Keidel:
Brütende Halsbandsittiche in den Anlagen von Köln
aus einem Zeitungsbericht des Kölner Stadt-Anzeigers vom 3./4. April 1976

Vor sechs Jahren etwa gelang es einigen afghanischen Halsband-Sittichen, dem Käfigdasein zu entkommen und sich in der freien Kölner Wildbahn auf Selbstversorgung umzustellen. Heute sind diese Pioniere bereits Stammeltern eines Vogelvolkes, das in Schwärmen auftritt. Ihr Appetit ist es, der Dr. Harro Koch vom Botanischen Garten Sorgen bereitet. In seinen Grünanlagen tun sich die laubgrünen Exoten in diesen Vorfrühlingstagen an den schwellenden Knospen umhegter Bäume und Sträucher gütlich.

Der Leiter des Botanischen Gartens, Dr. Harro Koch, kennt die Sittiche, seit sie ihm im vorigen Jahr alle Blüten eines wertvollen Zierkirschenstrauches abfraßen. Ein paar Wochen später machten sie mitten in der Innenstadt von sich reden. An der Thieboldsgasse frühstückten sie eine Zeitlang an einem Trompetenbaum. Dessen Schoten behagten ihnen.

Die Frage, was mit den Tieren werden soll, macht inzwischen Botanikern und Zoologen in Köln Kopfzerbrechen. Dr. Koch: "Am Anfang, wenn es nur einige sind, findet man die Tiere putzig bis süß. Später, wenn hier und da mal ein kleiner Schwarm auftaucht, ist es noch erträglich." Koch fürchtet aber, daß die Halsbandsittiche zu einer unerträglichen Plage werden können, wenn sie sich weiter so vermehren.

In seinem Garten bangt er bereits um seltene Bäume. Und erste Sittichschwärme haben in Nippes und am Blücherpark schon frühmorgens Kleingärten heimgesucht und Obstbaumknospen abgefressen. Deshalb hat der Botanische Garten nun mit der Bekämpfung begonnen - bisher ohne viel Erfolg.

Heimischen Singvögeln sind die exotischen Vettern weit überlegen. Prof. Dr. Ernst Kullmann, Direktor des Kölner Zoos: "Ich habe die Tiere früher selber in Afghanistan, wo sie ja zu Hause sind, großgezogen und weiß, wie schlau sie sind." Wenn die Sittiche einen Meister des Botanischen Gartens mit der Flinte auftauchen sehen, dem als aktiven Jäger die bewaffnete Schädlingsbekämpfung zufällt (in der Hauptsache aber auch die Hege des im Garten vorhandenen friedlichen Tierbestandes, etwa der Enten), fliegen die Sittiche davon in die Wipfel der höchsten Platanen. Vergiftetes Futter nehmen sie nicht an.

Auch aus dem verborgenen Anstand kommt der Jäger kaum zum Schuß: Die Sittiche halten stets große Höhe ein. Oder sie suchen sich ganz frühe Morgenstunden aus, um tiefer herunterzukommen. Bei der geringsten Störung stieben sie davon.

Die Sittiche schlafen und nisten auf den höchsten Bäumen in der ruhigen Umgebung der Friedhöfe Kölns. Oft in verlassenen Spechthöhlen. Ihre Herkunft ist unbekannt. Da die klugen Tiere auch gern als Zimmervögel gehalten werden, ist möglicherweise einmal bei einem Händler oder einem Privatmann ein Pärchen "ausgebüchst".

Verwundert ist er nicht nur über die Fähigkeit der Vögel, sich durch Eigenernährung in der ungewohnten mitteleuropäischen Umgebung am Leben zu erhalten, sondern auch über die Klimaanpassung; "Selbst der kalte Winter hat es nicht geschafft, ihre Zahl zu verringern."

Wiedergabe des Zeitungsartikels erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Kölner Stadtanzeigers.

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