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Papageien vor der Haustür
Halsbandsittiche in Wiesbaden

Fassung 5.4 (November 2004)
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Unterarten und Farbvariationen

Die wissenschaftliche Artbezeichnung des Halsbandsittich lautet laut Zoonomen (Zoological Nomenclature Resource) : Psittacula krameri (Scopoli) 1769.

In der Literatur sind vier bis sechs Unterarten genannt, wovon aktuell Literatur (Arndt Lexikon, Robillier Handbuch) noch 4 Unterarten erwähnt werden. Der in manchen besonders älteren Publikationen als Unterart des Halsbandsittichs aufgefasste Echosittich Psittacula echo wird hier als eigene Art betrachtet und aufgrund seiner Seltenheit nicht weiter beachtet. Halsbandsittiche der Nominatform zeigen folgendes Aussehen:

  • Männchen: grün, Hinterkopf leicht bläulich, Unterseite heller, eher gelblich, ebenso Unterflügeldecken. Von der Wachshaut zieht sich ein schmaler schwarzer Streifen bis zum Auge. Unter dem Kinn beginnt ein schwarzes Halsband, das zum Nacken schmaler wird. Es läuft in ein rosa Nackenband aus. Schwanzoberseite grün, mittleres Federpaar leicht blau, Schwanzfederspitzen gelb. Oberschnabel rot, zur Spitze schwärzlich, Unterschnabel schwarz mit dunkelroter Basis. Das Auge (Lederhaut) ist blassgelb, die Iris sehr hell blau. Füße grünlichgrau.
  • Weibchen: schwarzer Strich zum Auge und Halsband fehlen, Nackenband ist nicht rosa, sondern grün.
  • Jungvögel: Wie Weibchen. Auge (Lederhaut und Iris) nach dem Ausfliegen dunkel nach Monaten wie Altvögel. Die Handschwingen sind bis zur ersten Mauser hell gesäumt.

Ganz entgegen den Erwartungen aus der Halsbandsittichhaltung sind praktisch alle beobachteten Papageien wildfarben. Es liegen bisher nur eine Sichtungsmeldung einer blauen Variante aus Kassel (Ernst) und je eines Lutinos aus Biebrich (Zingel 2000) und Düsseldorf (Krause) vor. Eigene Beobachtungen von Farbmutanten konnte ich nur 2003 in Heidelberg (blaue Mutationsform) und 2002 in Biebrich (Lutino) machen. Die zahlreichen weiteren Farbvarianten - die an Stückzahl die wildfarbenen Vögel in den Volieren bei weitem übertreffen - wurden bisher nicht beobachtet. Dafür bieten sich drei Erklärungen an: zum einen ist der Wert eines farbigen Vogels für den Züchter und Halter höher, der Besitzer eines solchen Vogels wird also mehr auf ihn achten und auch Aussetzungen dürften seltener vorkommen. Zum andern ist der Fitnesswert von Mutationsformen sicher geringer als der der wildfarbenen Tiere. Dies liegt zum einen sicher an der auf Inzucht beruhenden Farbmutationszucht, die eventuell mit erhöhter Krankheitsanfälligkeit einher geht (De Grahl S.171 vermutet eine unterschiedliche Toleranz gegenüber Minustemperaturen bei den verschiedenen Mutationsformen, besonders Albinos und Lutinos seien kälteempfindlich) zum anderen aber an der Auffälligkeit eines andersfarbigen Vogels in einem Schwarm für Prädatoren wie z.B. den Wanderfalken. Zum dritten sind viele Farbmutationen rezessiv und verschwinden daher in einer größeren gemischten Population. Ihr gelegentliches Auftreten in den Neozoenpopulationen wäre dann ein Hinweis auf die Vermischung der Unterarten, da Mutationszüchter nicht auf Unterarten achten.
Externe Seite mit einigen Bildern von Farbmutationen.

Halsbandsittich, blaue Mutante
Blaue Mutationsform (Heidelberg 2003)
 Halsbandsittich, gelbe Mutante sog. 'Lutino'
Lutino (Biebrich 2002)
Bei der Mutationsform 'Lutino' kann aufgrund der wegfallenden dunklen Pigmentierung die Unterart nicht bestimmt werden.

Laut 'Pareys Vogelbuch' sollen die in Europa vorkommenden Halsbandsitiche verschiedenen Unterarten, meist aber einer Mischung aus Psittacula krameri manillensis und Psittacula krameri borealis angehören. In GB sollen vorwiegend Psittacula krameri borealis und in der Bundesrepublik Psittacula krameri manillensis, in Frankreich Psittacula krameri krameri vorkommen. Psittacula krameri parvirostris spielt in der Haltung keine Rolle.

Diese Angaben lassen sich zumindest für Deutschland im groben bestätigen. Die Tiere der drei großen Nordpopulationen (Düsseldorf, Köln, Bonn) zeigen vor allem Merkmale von Psittacula krameri manillensis. Dies gilt auch für Mainz/Wiesbaden und Worms. Schwieriger wird es bei den Tieren in Ludwigshafen/Mannheim und Heidelberg/Neckarhausen/Schwetzingen.

Jungtier Jungtier
Zwei Beispiele für Biebricher Jungvogel mit rotem Oberschnabel und Unterschnabel links: Flügge, rechts: noch in der Bruthöhle. Diese Rotfärbung zeigt auch ein aus Sri Lanka stammendes Foto (in: Robillier S. 397) bei zwei noch nackten Nestlingen.

Zur Beurteilung der Unterart muss man auf sicher ausgewachsene und ausgefärbte Tiere zurückgreifen. Jungtiere der beiden indischen Unterarten können einen roten Ober- und Unterschnabel aufweisen. Am sichersten sind vollausgewachsene Männchen zu identifizieren, da die Weibchen wie Jungtiere aussehen können. Zunächst ein Blick auf die Unterarten und ihr aussehen. Die Angaben zu den heute als gültig betrachteten Unterarten sind folgenden Quellen entnommen, Verbreitungskarten: Robillier; Artbeschreibungen: der deutschen Ausgabe des Lexikon der Papageien von Arndt (englische Onlineausgabe: Lexikon of Parrots, Gattung Psittacula) ; und die Zahlenangaben Lantermann (Handbuch S.449).


Kopfportraits ausgewachsener Männchen

 Afrikanischer Halsbandsittich, Kleiner Alexandersittich
Psittacula krameri krameri (Scopoli 1769)

Rose-ringed Parakeet, African Ring-necked Parakeet
Perruche à bande rose

Schnabel nach Beschreibung: Oberschnabel rot, zur Spitze schwärzlich, Unterschnabel schwarz mit dunkelroter Basis.
Deutlich ist auf dem Foto der teilweise dunkle Oberschnabel zu erkennen, der zur Spitze schwarz ausläuft.
Schnabellänge Männchen: 19,6 (n=12), Schnabellänge Weibchen: 19,8 (n=10)

 Männchen
(Volierenaufnahme, Plantaria-Park)
 
Psittacula krameri centralis (Neumann)
Diese Unterart wird heute als nicht mehr eigenständig betrachtet (Lantermann S. 449) und fehlt daher bei Arndt und Robillier. Eine Beschreibung, einen deutschen Name oder ein Hinweis auf die Arbeit in der die (Unter-)Artrevision vorgenommen wurde, habe ich bisher nicht gefunden. Die Verbreitung lag Tschadsee bis weisser Nil.
Ein Vergleich mit der Volierenaufnahme von Psittacula krameri krameri zeigt auch die im Grunde identische Schnabelfärbung, die rötliche Unterschabelbasis ist zu erahnen.

 Männchen
(Balg, Senkenbergmuseum Nr. 26825)
 Abessinischer Halsbandsittich
Psittacula krameri parvirostris (Souancé 1856)

Abyssinian Parakeet
Perruche à bande rose de l'Abyssinie
Färbung nach Beschreibung: Gesicht blasser hellgrün. Brust und Bauch mit leicht grauweiss, Schnabel kleiner, überwiegend roter Unterschnabel

Der Oberschnabel ist schwarz, der Unterschnabel dunkelrot. Die Abbildung in Arnds Lexicon of Parrots zeigt ein Tier mit einem Oberschnabel, der fast dunkel-violett ist und eine schwarz auslaufenden Spitze besitzt. Der Unterschnabel ist dort nicht zu erkennen.
Schnabellänge Männchen: 19,6 (n=10), Schnabellänge Weibchen: 19,6 (n=8)

 Männchen
(Balg, Senkenbergmuseum Nr. 26822)
 Indischer Halsbandsittich
Psittacula krameri manilensis (Bechstein 1800)

Indian Ring- necked Parakeet
Perruche à bande rose de l'inde

Färbung nach Beschreibung: Größer als die Nominatform, dunkler, häufig bläulicher Nacken, Männchen haben dunkleres rosafarbenes Nackenband, Schnabel größer, Unterschnabel schwarz.
Schnabellänge Männchen: 23,3 (n=8), Schnabellänge Weibchen: 22,6 (n=8)
 Männchen
(Wiesbaden Biebrich)
Männchen
(Balg, Senkenbergmuseum Nr. 26818)
Männchen
Sri Lanka (Freiland)
 Neumanns Halsbandsittich
Psittacula krameri borealis (Neumann 1915)
Neumann's Ring-necked Parakeet
Perruche à bande rose de Pakistane
Färbung nach Beschreibung: Kopfseiten und Ohrdecken leicht bläulich , Unterseite gräulichgrün, Schnabel komplett korallenrot, Unterschnabel schwarz gefleckt. Grösser als die Nominatfrom mit einem mächtigeren Schnabel.
An sonnigen Wintertagen kann auch bei Angehörigen der Unterart P. k. manilensis dieser Farbeindruck entstehen.
Sieht man das Bild an, so ist der Oberschnabel nicht rein korallenrot. Trotzdem ist das rot (man bedenke es handelt sich um ein älteres Präparat) leuchtend.
Schnabellänge Männchen: 23,2 (n=9), Schnabellänge Weibchen: 23,0 (n=8)
 Männchen, nördliche Asiatische Unterart
(Freiland: Heidelberg)
Männchen, nördliche Asiatische Unterart
(Balg Naturkundemuseum Stuttgart, Nr. 53781 aus West-Pakistan)

Zusammenfassung

Aus den oben gezeigten Beschreibungen und den Betrachtungen der Bälge und Fotos von lebenden Tieren ergibt sich folgendes Schema der Schnabelfärbung, wobei diese auch innerhalb der einzelnen Unterarten etwas variabel bleibt. Der geringe Größenunterschied des Schnabels dürfte im Gelände nur bei zwei nebeneinander sitzenden Exemplaren auszumachen sein.

Schnabelzeichnung (Schema)

Auch die Färbungsunterschiede und der meist im Schatten liegende Unterschnabel sowie die Möglichkeiten der Vermischung der Unterarten und Hybridisierung mit Psittacula eupatria erschweren die Identifikation. Trotzdem habe ich einige Fotos machen können, die verschiedene Schnabelfärbungen zeigen. Ein zusätzliches Problem im Freiland sind die unterschiedlichen Lichtbedingungen (Lichtfarbe, direktes Sonnenlicht/ Schatten), welche die Farbe verändern können. Der Unterschnabel von lebenden Halsbandsittichen ist meist so abgeschattet, das seine Färbung kaum zu ermitteln ist.

Auf der nächsten Seite möchte ich einige Halsbandsittiche unterschiedlicher bundesrepublikanischer Populationen vorstellen und noch einmal der Frage nach ihrer Unterartzugehörigkeit nachgehen. Schaut man die bundesdeutschen Halsbandsittiche an, so scheinen sie eine Mischung beider Unterarten zu sein, wobei der Anteil beider Unterarten in den verschiedenen Populationen, z.T. auch zwischen den Individuen unterschiedlich ist.

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