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Papageien vor der Haustür
Halsbandsittiche in Wiesbaden

Fassung 5.2 (Dezember 2002)
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6. Amazonen (Gattung: Amazona)

Bis zur Überarbeitung hier die alte Fassung in neuem Layout

Allgemeines

Amazonen stammen aus Südamerika. Sie sind mit um 40 cm Länge (bei einem kurzen Schwanz) die größten Papageien im Biebricher Schloßpark.

Schon 1883 soll es ein Vorkommen der Rotbugamazone (Amazona aestiva aestiva) in Deutschland gegeben haben (Bauer).

Im Flugbild fallen der kurze Schwanz und die breiten Flügel deutlich auf, es erinnert etwas an das Flugbild von Rabenvögeln. Die Tiere sind selten in der Luft zu sehen, die für Halsbandsittiche typischen gruppenweisen Flüge durch den Park konnte ich bisher nicht beobachten. Allenfalls wurde der Baum gewechselt oder abends Richtung Schlafbaum abgeflogen. Gelegentlich Fliegen alle Tiere gemeinsam zu einem anderen Baum.

Die Wiesbadener Amazonen besitzen einen sehr schönen farbigen Schwanz, der leider nur selten zu sehen ist. Besonders beim Auffliegen ist auch die schöne rote Flügelzeichnung zu sehen. Der Schnabel der Blaustirnamazonen ist schwarz, das Gefieder weitgehend grün. Sie besitzen einen farbigen Flügelbug und einen roten Flügelspiegel.

 Pärchen
2.4.1999: Mondchen und Ringel

7.5.1998
Flugbild: Blaustirnamazone folgt Großem Alexandersittich
 
31.3.1999
Schwanzfächer

Die Vierergruppe

Derzeit kommt im Park eine Gruppe von vier Tieren vor, die seit Anfang 1999 oder Herbst 1998 besteht. Die Gruppe besteht aus einer Blaustirnamazone einer Venezuela-Amazone sowie zwei Tieren unklarer Artzugehörigkeit. Zwei der Tiere konnte ich schon am 30.4.1998 beobachten. Ein fünftes Tier, das ich am 21.2.1998 zum ersten Mal sah, ist seit Anfang 1999 verschwunden. Um die Tiere genauer zu bezeichnen, habe ich ihnen Namen gegeben.

  • M. Braun konnte im Januar 1999 fünf Tiere beobachten, eine Zahl die auch von anderen Beobachtern bestätigt wird.
  • Am 21.2.1999 beobachteten M. Fichtler, S. Stübing und G. Holighaus vier Tiere. Sie saßen paarweise eng zusammengedrängt, Drei von ihnen wiesen eine Kopfzeichnung wie die hier gezeigte Blaustirnamazone, eine Amazone wies auf der Stirn einen mehr graublauen Fleck auf, der nicht oberhalb von einem die Augen einschließenden Band begrenzt wurde, sondern unterhalb zwei gelbe Wangenflecken zeigte.
  • Am 28.3.1999, 31.3.1999, 10.4.1999 und 16.4.1999 konnte ich vier Amazonen gleichzeitig beobachten, davon zwei Tiere fast ohne gelbe Kopfzeichnung ("Graukopf 1 und 2") und zwei Vögel mit deutlicher Gelbfärbung am Kopf ("Mondchen" und "Ringel").
  • Am 14.6.1999 sah ich kurz drei Amazonen, darunter ein "Graukopf" und "Mondchen".
  • Am 17.6.1999 beobachtete ich nach einer kurzen Zwischenlandung 4 Tiere auf dem Weg zum Schlafbaum ohne sie näher identifizieren zu können.
  • Am 28.12.1999 sowie dem 5.2.2000, 6.2.2000, 17.2.2000, 18.2.2000 und 27.2.2000 konnte ich die Vierergruppe auf unterschiedlichen Bäumen beobachten.
 Die Vierergruppe
Die Vierergruppe Anfang 2000

Die einzelnen Tiere

Leider weisen Amazonen im Gegensatz u.a. zu Halsbandsittichen keinen deutlichen Geschlechtsdimorphismus auf, so daß eine Feststellung des Geschlechtes durch Beobachtung nur über Verhaltensunterschiede erfolgen kann. Meine Beobachtungen reichen dazu bisher nicht aus.

Mondchen
Erkennungszeichen sind auf jeder Kopfseite deutliche, an eine liegende Mondsichel oder ein Dreieck erinnernde kräftig gelbe Wangenflecken, die unter dem Schnabel miteinander - farblich blasser - verbunden sind. Die Stirn ist dunkelgrau, mit einem leichten Einschlag ins blaue. Der Flügelspiegel ist rot, der Flügelbug selten zu erkennen, vermutlich vorwiegend gelb. Am rechten und linken Fuß fehlen die Krallen der äußeren Zehen.

Der Vogel ist am linken Fuß mit einem grauen Metallring, einem Händlerring, der erwachsenen Tieren angelegt wird, markiert. Die Nummer konnte ich noch nicht vollständig ablesen.

Mondchen ist mit Ringel verpaart, sie treiben gegenseitige Gefiederpflege und sind meistens gemeinsam anzutreffen.

Bei Mondchen handelt es sich vermutlich um eine Venezuela-Amazone (Amazona amazinica).

 
2.4.1999 :
Mondchen
Ringel
Der Stirnfleck ist hellblau, der Kopf oben hellgelb. Um das Auge ist ein hellgelber Ring vorhanden, der nicht wie bei "Einzelgänger" in den hellgelben Kopffleck übergeht. Der Flügelspiegel ist rot, der Flügelbug zumindest teilweise gelb. Der Vogel ist am linken Fuß mit einem durchsichtigen Kunststoffring beringt. Auch seine Zehen zeigen Deformationen der Krallen.

Am 16.4.1999 verscheuchte Ringel "Graukopf 1" oder "Graukopf 2", der gerade mit dem Fressen von Efeu beschäftigt war. Ringel und Einzelgänger sind Blaustirnamazonen.

 
2.4.1999 :
Ringel
Einzelgänger
Der Stirnfleck ist hellblau, der Kopf oben hellgelb. Um das Auge ist ein hellgelber Ring vorhanden, der in den hellgelben Kopffleck übergeht. Der Flügelbug ist gelb mit einem roten Fleck, der Flügelspiegel rot. Der Vogel ist nicht beringt.

1998 suchte dieser Vogel Anschluß, da ihm ein Partner fehlte. Dieser vermutlich männliche Vogel hatte sich in ein verpaartes Weibchen des Großen Alexandersittich 'verguckt' und war daher häufiger in der Nähe dieses Paares zu sehen und somit leichter zu beobachten:

  • Am 7.5.1998 saß dieser Vogel neben einem Pärchen großer Alexandersittiche und schimpfte sehr laut. Nachdem der erste Alexandersittich aufgeflogen war, folgte er dem zweiten.
  • Am 25.10.1998 hielt sich die Blaustirnamazone in der Nähe von Großen Alexandersittichen auf.
  • Am 20.11.1998 saß sie längere Zeit neben einem männlichen und weiblichen Großen Alexandersittich und machte sich wiederum lautstark bemerkbar. Wieder folgte der Vogel den zwei Papageien.
 
Einzelgänger
Graukopf 1 und
Bis jetzt habe ich noch kein sicheres Unterscheidungsmerkmal zwischen beiden Grauköpfen gefunden. Der Stirnfleck ist hellblau-grau mit einem gelben Scheitel. Der gelbe Fleck unterhalb des Auges ist sehr blaß gelb. Bei einem Tier etwas kräftiger - aber das ist schlecht auszumachen. Sie erinnern von der Form her an die Zeichnung von Mondchen. Die Flügelspiegel sind rot. Bis jetzt habe ich keine Beringung bemerkt.

Ob auch Graukopf 1 und Graukopf 2 verpaart sind, konnte ich bisher nicht eindeutig ausmachen. Jedenfalls gehen sie untereinander zärtlicher miteinander um als Ringel mit ihnen und sind auch meistens gemeinsam anzutreffen.

1999 zeigten die beiden Grauköpfe Verhalten, das sich als Paarcherhalten interpretierte ließ wie Kontaktsitzen und synchrones Flügelstrecken. Anfang 2000 konnte ich solches Verhalten nicht beobachten. Typisch war das Sitzen wie auf dem Bild mit der Vierergruppe, oftmals entfernte sich auch ein Graukopf ganz von der Gruppe oder lockte mit Rufen aus der Entfernung.

Es handelt sich um Jungvögel, die am Kopf weniger ausgefärbt sind. Es könnte sich bei beiden Tieren um Artbastarde handeln.

 
31.3.1999 : Graukopf 1

Tagesbeschäftigung

Die Amazonen im Park sind sehr standorttreu. Wenn ich sie im Park antreffe, sind die Vögel praktisch immer aufden selben drei Bäumen zu finden. Die Tiere verbringen wesentliche Teile des Tages einfach mit Ausruhen und Dösen auf einem Baum. Am 2.4.1999 saßen z.B. Ringel und Mondchen vom frühen Vormittag bis zum frühen Abend auf einem Ast und waren im wesentlichen mit Dösen, Putzen und Kraulen beschäftigt.

Ausgesprochen aktiv waren sie am 5.2.2000, als sie während meiner Beobachtungen eine kleine Exursion in die umliegenden Gärten vornahmen. Der erste Flug führte in den Garten der Villa in der Richard Wagner die Meistersänger geschrieben hat, sie wechselten dann zur Villa Forsa, in den Garten von Haus 130, und kehrten über verschiedene Villengärten in den Park zurück. In den Gärten wurden verschiedene Baumarten (u.a. Kiefer, Linde, Buche) aufgesucht und beknabbert. Ohne ersichtlichen Grund kehrten sie dann in den Park auf ihre Platane zurück.

Am 6.2.2000 versuchten mehrere Dohlen, einen Streit mit einen der etwas entfernt sitzenden Grauköpfe anzufangen. Von den drei Rabenvögeln, die im Trupp gelandet waren, näherte sich ein Vogel dem Papagei. Nach einigen Drohgebärden der beiden Vögel zogen sich die Dohlen wieder zurück zu ihrem Brutbaum. Auch sonst drohen diese Arten einander gelegentlich.

Nach einer Meldung aus dem German-Bird-Net haben sich am 27.3.99 zwei Aamazonen mit zwei Dohlen um eine Nisthöhle gestritten.


Nahrung

Da ich die Amazonen seltener gesehen habe, ist es nicht so einfach ihr Nahrungsspektrum zu bestimmen. Gesehen habe ich sie vor allem auf Platanen, Ahorn, Buche, Linde, Kiefer und Efeu. Ihre Nahrung unterscheidet sich vermutlich nicht wesentlich von der anderer Wiesbadener Papageien. Bei meinen bisherigen Begegnungen waren die Tiere nur am späten Nachmittag und frühen Abend mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt, sonst taten die Tiere fast nichts.

In H.-J. Pfeffers "The Online-Book of Parrots" werden als Nahrung: Früchte, Samen, Beeren und Nüsse ausgewiesen.

 
Efeu

Beobachtungshäufigkeit

Am 21.2.1998 sah ich erstmals eine Blaustirnamazone im Park. Weiterhin konnte ich Amazonen am 19.3.1998, 30.4.1998, 7.5.1998, 1.10.1998, 25.10.1998, 20.11.1998, 7.12.1998, 28.3.1999, 31.3.1999, 2.4.1999, 9.4.1999, 10.4.1999, 16.4.1999, 14.5.1999, 14.6.1999, 17.6.1999, 28.12.1999, 5.2.2000, 6.2.2000 und 1.6.2000.

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