Zum Inhaltsverzeichnis von Papageien vor der Haustür

Papageien vor der Haustür
Halsbandsittiche in Wiesbaden

Fünfte Fassung, (Sommer 2001)
Weiter in Papageien vor der Haustür
 

Wellensittich (Melopsittacus undulatus)

Historisches zum Wellensittich

1805 veröffentlichte Shaw und Nodder in "Naturalist Miscellany" eine ausführliche Beschreibung des Wellensittiches, dem sie auch die erste bekannte Abbildung beifügten. Diese Zeichnung (Bild rechts) beruht auf einem von zwei damals in Europa vorhandenen Bälgen, der zur Sammlung des Bullochs Museum in London gehörte. Der zweite Balg war ebenfalls im Besitz eines Londoner Museums, dem der Linnean Society. In Edward Lears Buch "Illustrations of the Psittacidae" 1830-1832 findet sich eine weiter Abbildung. Aber noch 1832 hielt ein Ornithologe den Balg für ein Unikum.

John Gould berichtete in "Birds of Australia" 1840 von seinen Beobachtungen an freilebenden Wellensittichen. Vermutlich führte er auch die ersten lebenden Vögel nach Europa (England) ein. 1865 war er sich dessen aber nicht sicher, da fast jedes Schiff, daß vom südlichen Australien nach England fuhr die Vögel mitbrachte und er bei einem Händler in Wapping 2000 Wellensittiche gesehen hatte.

Bereits um 1846 war der Vogel in Gefangenschaft recht häufig geworden und aus dem Jahr 1854 stammt der erste ausführliche Haltungsbericht. Massenimporte (z.B. vom 10.Februar bis 27. Juli 1878 wurden allein von einem Händler 14069 und im Folgejahr noch einmal und bis 79655 Paare eingeschifft) und einsetzende Zuchten sowie die Zurschaustellung in Zoologischen Gärten popularisierten den Vogel schnell.

Das von Australien 1894 erlassene Ausfuhrverbot konnte die weltweite Ausbreitung des Wellensittichs in Gefangenschaft nicht mehr aufhalten. 1880 bzw. 1886 wurden im Süden Frankreichs zwei Großzüchtereien gegründet die bis zu 100.000 Wellensittichen pro Jahr produzierten aber auch sonst wurde fleißig gezüchtet, für Deutschland wurde der Zuchterfolg 1880 auf 10.000 bis 25.000 Tiere geschätzt. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges vernichtete der französische Züchter Bastide 120.000 Tiere, die aufgrund der geschlossenen Märkte nicht mehr verkauft werden konnten. Heute dürfte der Bestand in Gefangenschaft in die Millionen gehen. (Zusammenfassung nach Enehjelm S. 21-24)

 Älteste wissenschaftliche Abbildung (1805)
Älteste wissenschaftliche Abbildung (1805)
Wellensittich
Wellensittich als Stubenvogel

Freilandvorkommen

Schon Gould spekulierte auch über die Möglichkeiten von Wellensittiche in Europa: „Der Vogel züchtet hier ebenso willig wie der Kanarienvogel; doch ist es eine Art, die wir nicht in freier Wildbahn hier einbürgern können, da unser Klima nicht die erwünschten Wärmegrade hat und das Land nicht das geeignete Futter hervorbringen kann...“ Und behielt damit recht.
Immerhin nennt Gould schon zwei Gründe, die eine dauerhafte Ansiedlung der Wellensittiche verhindert. Aber dies sind nicht die einzigen Probleme, die Wellensittiche im europäischen Freiland haben. Sie sind zu klein und zu wehrlos gegenüber Prädatoren wie Rabenvögeln und Wanderfalken. In der australischen Heimat sind sie nicht standorttreu - das bereitet auch hier bei Freiflugexperimenten Probleme. Sogar brütende Weibchen werden von den freifliegenden Männchen im Stich gelassen.
Hinzu kommt noch, das die vielen Zuchtrassen in Größe und Farbe erheblich vom Wildtier abweichen und diese Vögel einen geringeren Fitnesswert besitzen als Wildvögel. Fazit: Wellensittiche werden auch in Zukunft nur als kurzzeitige Gefangenschaftsflüchtlinge im Freiland zu beobachten sein. Ihr relativ häufiges Auftreten im Freiland beruht allein auf ihrer großen Zahl in Gefangenschaft.


Zum Inhaltsverzeichnis von Papageien vor der Haustür Weiter in Papageien vor der Haustür
© Text und Bilder liegt beim Autor
 Logo der Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk
Arbeitsgemeinschaft Papageien-Netzwerk:
www.papageien.org
 Infos, Anregungen, Kritik:
info@papageien.org
oder an den Autor:
Detlev Franz
detlev@papageien.org