Brehms Tierleben charakterisiert Papageien sehr treffend als fliegende Affen. Affen, wie auch Papageien, sind intelligent, sozial und klettern gerne. Die meisten Vertreter beider Tiergruppen leben überwiegend von pflanzlicher Kost, die durch tierische Beikost ergänzt wird. Ihre besonderen Fähigkeiten erhalten Papageien auch durch anatomische Eigentümlichkeiten. | An den Füßen sind, ähnlich wie bei Spechten, zwei Zehen nach hinten gerichtet. Klettern in Bäumen wird so erleichtert, zusammen mit dem Schwanz können sich Halsbandsittiche fast wie Spechte an den Öffnungen der Bruthöhlen festhalten. Wird der Schnabel zur Hilfe genommen, bewegen sie sich immer mit zwei von drei Haltemöglichkeiten gesichert durch die schwankenden Zweige. Sie zeigen keine Furcht, sich kopfüber von einem Ast herunterzuhängen, an ihm kopfüber herabzuklettern oder gar nur mit einem Fuß festgehalten an der Unterseite eines Astes oder der Öffnung einer Baumhöhle zu hängen (Bild rechts). Die Füße dienen auch als Greifhand bei der Nahrungsaufnahme. Oftmals sind die Tiere dabei zu beobachten, daß sie auf einem Bein sitzen und in dem anderen Fuß Futter halten. Papageien sind die einzige Vogelgruppe, die mit dem Fuß Nahrung zum Schnabel führen. | | |
Diese Anpassung der Papageienfüße an das Klettern führt dazu, daß die meisten Arten auf dem Boden ausgesprochen schlecht zu Fuß sind. Aber Papageien können ja fliegen, um größere und kleinere Strecken zu überwinden. Das Flugvermögen ist bei den einzelnen Arten sehr unterschiedlich ausgebildet. Verwunderlich bei dem guten Flugvermögen und der oft kletternden Fortbewegung ist das geringe stereoskopische Sehen der Papageien, das binokulare Sehfeld beträgt vermutlich nur 6-10º: Papageien fixieren einen fliegenden Greifvogel daher nur mit einem Auge. Das Farbsehvermögen der Papageien scheint dagegen größer als beim Menschen zu sein und reicht vermutlich bis hinein in den UV-Bereich (vgl. Lantermann S. 81). Der kräftige und sehr bewegliche Schnabel und die Zunge ermöglicht vor allem die Aufnahme unterschiedlicher pflanzlicher Nahrung, begonnen bei Knospen, Blättern und Rinde, bis hin zu Früchten und Nüssen. Hierzu kommen noch Zusatzkost, die z.B. aus Insekten und Insektenlarven besteht. Das Zusammenwirken von Schnabel und Zunge ermöglicht den Papageien einen feinfühligen Umgang mit Nahrung, unverdauliche 'Verpackung' kann so von den fressbaren Bestandteilen getrennt werden. Der 'Abfall' wird einfach fallen gelassen. Solche Fraßspuren können ein guter Hinweis auf bevorzugte Futterbäume sein. Wie bei vielen Vogelarten wird der Schnabel auch zur Verteidigung eingesetzt und mit ihm werden auch Bruthöhlen erweitert. Papageien besitzen - wie alle Vögel - im Unterschied zu den Säugetieren relativ wenige Geschmacksknospen, so dass der Geschmackssinn vermutlich keine so große Rolle bei der Beurteilung der Nahrung spielt. Die an den Schnabelrändern gelegenen Tastkörperchen spielen bei der Beurteilung von Form, Härte und Beschaffenheit vermutlich eine größere Rolle (Lantermann S. 82). | |  |
Bei den in der Bundesrepublik freilebenden Papageienarten können sehr schön unterschiedlichste Verhaltensweisen beobachtet werden, die an die Gegebenheiten der neuen Heimat adaptiert wurden. Besonders zählen hierzu Sozial- und Brutverhalten sowie die Nahrungssuche. Nicht nur Halsbandsittiche, sondern auch einige andere Generalisten unter den Papageien sind zu solchen Anpassungsleistungen fähig. |